AUSBILDUNG AM LANDRATSAMT ROTH

Ganz nah am „wirklichen“ Leben


Seit genau einem Monat sind Daniela Liesenberg (16), Florian Nißlein (17), Kristine Kastner (17), Stephan Burgdorf (19) und Maximilian Schuster (18) Azubis im 1. Lehrjahr als angehende „Verwaltungsfachangestellte“ im Landratsamt Roth. Sie wissen, dass ihre neue Berufswelt von vielen Klischees zwischen hohen Aktenbergen und „gemäßigtem“ Arbeitstempo bestimmt ist – und widersprechen mittlerweile vehement, wenn davon die Rede ist. „Das hier ist noch besser als erwartet und ganz nah am ,wirklichen´ Leben“ - darin ist sich die jüngste Amtsgeneration einig. Eine erste Bilanz:

Maximilian Schuster, Stephan Burgdorf, Daniela Liesenberg, Kristina Kastner und Florian Nißlein

„Von was bist Du jetzt so k.o.?  Vom Kaffee kochen und Akten tragen, oder was?! Maximilian Schuster (18) kann über solche Frotzeleien unter Freunden  ganz locker hinweg gehen. „Ich erzähl` dann einfach mal, was ich hier tagsüber so mache. Und dann schaut das Ganze schon anders aus.“ Der 18-jährige Hilpoltsteiner ist angehender „Verwaltungsfachangestellter“ im Landratsamt Roth. Ein sperriger Titel für einen Berufszweig, der mit Klischees nicht geizt. Seitenweise gibt es Witze und Kalauer über den öffentlichen Dienst und das Beamtentum.

Abschreckend war das aber nicht wirklich. Im Gegenteil: Mit immerhin 115 anderen Bewerbern war das Verwaltungs-Quintett in spe im vergangenen Jahr beim Rennen im Assessment-Center des Landratsamtes (LRA), ehe es die jeweiligen Ausbildungsverträge in Händen hielt.

„Moderner Dienstleister“

Assessment-Center? Das klingt eher nach dem Azubi-„Casting“ der „freien Wirtschaft“ als nach dem Auswahlverfahren einer etablierten Behörde. Und doch geht der Begriff LRA-Ausbildungsleiterin Waltraud Bößl wie selbstverständlich über die Lippen. Genauso wie „Teamfähigkeit“ oder „Service-Denken“.  „Der eher distanzierte Umgang mit Bürgern von anno dazumal können und wollen wir uns heute doch gar nicht mehr erlauben. Wir sehen uns als modernes Dienstleistungsunternehmen. Entsprechend wählen wir und bilden wir unseren beruflichen Nachwuchs aus “, betont Waltraud Bößl.

Also durchwandern die jungen Leute in ihrer dreijährigen Ausbildung mindestens 15 Sachgebiete – von A wie Abfallwirtschaft bis Z wie Zulassung. Es gibt eigene Azubi-Projekte – wie jüngst eine aufwändige Hausrallye, ausgetüftelt zum „Aktionstag am Weinberg“, für die die jungen Leute von der Gestaltung des Fragebogens bis hin zur Akquise der Preise alles selbst in die Hand nehmen durften (und mussten). Und es gibt in allen Abteilungen Ausbilder, die für (fast) jede Frage der „Verwaltungs-Greenhorns“ ein offenes Ohr (und eine Antwort) haben.

„Wir werden ernst genommen“

„Wir werden ernst genommen.“ Und: „Wir dürfen von Anfang an mit ,ran´  - eine Erfahrung, die die jungen Leute in den ersten Wochen ihrer Berufstätigkeit durch die Bank gemacht haben. Unabhängig davon, in welcher Abteilung sie gerade sind.

Kristina Kastner hat ihrer Ansicht nach sogar für den Berufsstart das große Los gezogen. Sie, die einen Beruf wollte „bei dem ich organisieren kann, zugleich aber mit Menschen zu tun habe“, kam gleich in die Kfz-Zulassung – „und damit in die Abteilung, die ich mir schon bei meiner Berufswahl vorstellte, als ich mich für die Ausbildung hier bewarb.“  Und jetzt? „Jetzt habe ich in der kurzen Zeit schon so viel gelernt, dass meine Familie zu Hause nur noch staunt, wenn ich davon berichte“,  so die Barthemesauracherin.

Das hat Folgen: „Mittlerweile habe ich für meine Schwester schon eine Feinstaubplakette besorgt und für eine Bekannte ein Schild umgetauscht – ich werde ganz gut beschäftigt“, erzählt die 17-Jährige mit einem Lachen von ihren „Nebenbeschäftigungen“.

Kundenkontakt, die Arbeit mit dem Gesetz, Organisation – diese Wünsche an den Beruf war für die fünf Azubis die Hauptmotivation, sich für die Ausbildung im öffentlichen Dienst zu bewerben. Als für Daniela Liesenberg die Poststelle und für Florian Nißlein die EDV-Abteilung des Landratsamtes als Erstes auf dem Ausbildungsplan standen, bekamen sie davon herzlich wenig mit. Dennoch kein Grund für Frust, denn auch das „war echt interessant“, betonen beide. „Auf diese Weise habe ich ganz schön viele Leute aus dem Haus – mit rund 350 Beschäftigten gehört das Landratsamt zu den größten Arbeitgebern im Landkreis – kennengelernt. Denn irgendjemand braucht immer mal was aus der Poststelle“, sagt die Heideckerin. Ihr Kollege aus Abenberg staunte dafür nicht schlecht, wie groß das Rother LRA-Netzwerk ist, an dem beispielsweise auch das neue Gymnasium Wendelstein hängt. Entsprechend sieht dann auch die tägliche „Auftragslage“ aus.

Mit Briefen an säumige Unterhalts-Zahler sah sich Stephan Burgdorf im Jugendamt konfrontiert und lernte so gleich etwas über die Schattenseiten des Lebens, während sich Maximilian Schuster des „Privilegs“ rühmen darf, schon mal ein Dienstauto gefahren zu haben; ungewöhnlich für einen Azubi, aber der Endspurt bei den Bauarbeiten am Wendelsteiner Gymnasium machten`s möglich (und nötig).

Die Tatsache, nicht für die Jobs „missbraucht“ zu werden, die sonst keiner machen mag; freundliche Kollegen und das Gefühl, dass die Ausbildung junger Menschen denjenigen, die dafür verantwortlich sind, wichtig ist, sind Gründe, warum das Verwaltungs-Azubi-Quartett von „viel Spaß im Job“ spricht. Doch gerne geben die jungen Leute auch zu, dass geregelte Arbeitszeiten, freie Wochenenden und die – im Vergleich zu manchen Handwerksberufen – geringe körperliche Belastung ebenfalls für einen Beruf im öffentlichen Dienst sprachen. Kristina Kastner: „Ich habe eine Freundin, die im zweiten Lehrjahr in der Gastronomie lernt. Mit ihren Arbeitszeiten hat sie mittlerweile viele ihrer Freunde vernachlässigen müssen und ist darüber total unglücklich.“

Fundiertes Ausbildungskonzept
Aber: „Geschenkt wird unserem Berufsnachwuchs nichts“, stellt Ausbildungsleiterin Waltraud Bößl postwendend klar. Ihre Bemühungen und die ihrer Ausbildungs-Mitstreiter samt fundiertem LRA-Ausbildungskonzept will sie schon auch gerne mit guten Noten quittiert wissen. „Ich weiß schon, dass ich manchmal unbequem und lästig bin. Aber das ist nur zu Eurem Besten“, betont sie gegenüber den LRA-Neuzugängen. Der Erfolg gibt ihr und ihrem Team Recht: Schon seit Jahren gehören die Azubis des Rother Landratsamtes bayernweit immer zu den „Top Ten“ der Prüfungsbesten.

Ob dazu auch der Azubi-Jahrgang 2012 gehören wird? Bößls Antwort ist schnell gegeben: „Strengt Euch an, fragt viel, engagiert Euch, macht mit. Dann klappt das mit den guten Noten. Und Ihr werdet sehen – das ist ein supergutes Gefühl, wenn man dann auch noch erfolgreich ist.“

Information:
An einer Ausbildung interessiert? Das Personal-Sachgebiet nimmt ab sofort für den Ausbildungsbeginn September 2014 Bewerbungen an. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.landratsamt-roth.de/ausbildung oder persönlich nach Terminvereinbarung. Ansprechpartnerin ist Waltraud Bößl, Telefon 09171/81-1317, Mail: waltraud.boessl@landratsamt-roth.de



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generiert am 24.09.2017 04:59:37 ­