INFOS ZU DEN SPENDENAKTIONEN FRÜHERER JAHRE
Veröffentlicht am 13.05.2014

Mit "Mama Tenga" wächst die Hoffnung


Burkina Faso in Afrika gehört zu den ärmsten Ländern dieser Welt. Das durchschnittliche Einkommen einer Familie liegt bei rund 300 Euro – im Jahr. Jedes fünfte Kind stirbt vor dem fünften Lebensjahr. Vor 23 Jahren hat die Deutsche Katrin Rohde in der Drei-Millionen-Metropole Ougadougou angefangen, ihr heutiges Hilfs-Projektdorf „Ampo“ aufzubauen. Seit 17 Jahren wird sie über die von Landrat Herbert Eckstein getragene Landkreis-Spendenaktion „Jeder Bürger ein Euro“ dabei unterstützt. Vor kurzem war Katrin Rohde zu Gast in der Hilpoltsteiner Grundschule.

Mama Tenga hat 120 Kinder. Sie kennt sie alle mit Namen, spielt, freut, lacht und weint mit ihnen. Ohne ihre „Mama Tenga“ hätten viele dieser Kinder noch nicht einmal die Chance, erwachsen zu werden.

„Mama Tenga“ ist der Kosename für die in Deutschland vor knapp 66 Jahren geborene Katrin Rohde, die mit Anfang 40 ihre gesicherte Existenz als Buchhändlerin aufgab, um sich ein zweites Leben aufzubauen – in Afrika. In Burkina Faso, auf einer aufgelassenen Müllkippe.

Mittlerweile leben in „Ampo“, diesem „Dorf“ mitten in der Großstadt,  320 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 20 Jahren. 120 von ihnen sind Waisen und werden von 126 fest angestellten Mitarbeitern so lange mit viel Herz und Verstand groß gezogen, bis sie alt (und gebildet) genug sind, um auf eigenen Beinen stehen zu können.

Ständig weiter entwickelt

Waisenhaus, Schule, landwirtschaftliche Lehrfarm, Schneiderei, Krankenstation sind fünf der sieben „Einzelprojekte“, die im Laufe ihres Wirkens unter der Regie von Katrin Rohde entstanden sind. Davon, besser: vom Leben in „Ampo“, erzählt Katrin Rohde bei ihrem Besuch den Hilpoltsteiner Grundschülern.

Schon seit vielen Jahren lässt sich die Schulgemeinschaft immer wieder etwas einfallen, um „Jeder Bürger ein Euro“ mit zu unterstützten. Demnächst werden Zweitklässler Schnittlauchbrote für den guten Zweck in der Pause verkaufen; die Schuleinschreibung nutzte der Elternbeirat, um mit Kaffee und Kuchen die Spendenkasse zu füllen – nur zwei von vielen Beispielen.

An diesem Montagvormittag bekommen die Geschichten, die die Grundschüler über die Hilfsprojekte im Unterricht gehört haben, plötzlich ein „Gesicht“. Katrin Rohde, derzeit in ganz Europa unterwegs, um ihre Arbeit vorzustellen, hat den Schwenk von Berlin über Hilpoltstein nach Stuttgart gerne in Kauf genommen. Weil sie gerne von ihrer Arbeit, ihren Wünschen und Hoffnungen – und damit von denen „ihrer“ Kinder und Jugendlichen, erzählt.

Überzeugende Erzählungen

Natürlich geht es bei so einer Reise prinzipiell darum, um finanzielle Unterstützung zu werben. Doch die knapp 66-Jährige will nicht einfach die Hand aufhalten. „Ich bitte nie um Geld. Ich versuche nur, den Menschen näher zu bringen, was wir in Ampo machen. Wie das Leben dort ist, was es ausmacht – alles Andere ergibt sich von selbst.“

Es ist ein „ganz anderes“ Leben. Eines, das mit dem deutschen Alltag, den Rohde in diesen Tagen erlebt, so gar nicht zusammen passt.

Als die Erstklässler an ihr in Richtung Schulaula vorbei marschieren, schaut Katrin Rohde staunend auf die Füße – unmerklich schüttelt sie den Kopf. Diese Vielzahl von Hausschuhen…. – „bei uns tragen alle Flip-Flops. Oder gehen barfuß.“

Im Gespräch macht sie keinen Hehl daraus, wie sehr sie diese Überfluss- und Wegwerfgesellschaft, aber auch die Alltagshektik und die für sie so wenig offensichtliche Lebensfreude, die ihr in dem Land begegnen, in dem sie den Großteil ihres Lebens verbracht hat, schockieren. Bei jedem ihrer Besuche. Denn „zu Hause“, sagt sie, „zu Hause bin ich in Afrika, in Ougadougou.

Davon berichtet sie den Hilpoltsteiner Jungen und Mädchen. In zwei Schichten mit jeweils rund 120 Kindern – also vor genau so vielen, wie in Ougadougou in den staatlichen Schulen in einer (!) Klasse sitzen. Klar, dass sich hier, in der Schulaula, die Grundschüler auch mal ablenken lassen, wenn es um so ganz „normale“ Dinge wie Schulalltag und Berufsausbildung geht.

Doch es gibt auch diese Momente, in denen es mucksmäuschenstill ist. Wenn Katrin Rohde von der Ampo-Krankenstation erzählt, in der Medikamente umsonst ausgegeben werden  – wie sonst nirgends in der 3-Millionen Stadt! Wie es ist, wenn eine Mutter mit kranken und unterernährten Zwillingen im Arm vor der Tür steht – und nur noch eines der beiden Babys atmet. Armut ist grausam. Auch das lernen die Hilpoltsteiner Grundschüler.

Dieser Wille, solche „Umstände“ nicht zu akzeptieren, treibt Katrin Rohde an. Jeden Tag aufs Neue. Dennoch ist es nicht „Geld“, was sie sich wünschen würde, hätte sie einen Wunsch frei. Sie will einfach nur „ebenbürtige Chance für alle Kinder. Ohne Rücksicht auf Nationalität, Herkunft und Religion.“

Information:

Die Spendenaktion „Jeder Bürger ein Euro“ läuft noch bis Ende November. Gerne werden noch Spenden entgegengenommen, die heuer an vier Projekte in Afrika, Südamerika und Asien gehen; darunter auch für Katrin Rohdes Dorf „Ampo“, wo derzeit neue Waisenhäuser gebaut werden, nachdem ein staatliches Straßenbau-Großprojekt die bestehenden Waisenhauser so gut wie nicht mehr bewohnbar gemacht hat – die vierspurige Schnellstraße führt weniger als einen Meter direkt vor den Häusern vorbei.
 

Spendenkonten:

Bei allen Sparkassen im Landkreis Roth,
Konto 18 18 18,
BLZ 764 500 00
Bei der Raiffeisenbank Roth-Schwabach,
Konto 150 150,
BLZ 764 600 15.

 

 

 

 



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