Anlaufpunkt Nummer eins

Pflegestützpunkt feiert 15 Jahre – bewusst in kleinem Kreis, aber mit großen Worten
Stand: 16.02.2026

Um ein Haar wäre sie untergegangen, diese Randnotiz. Allerdings eine bedeutsame: Denn während in anderen Orten die Einweihung (!) eines Pflegestützpunkts gefeiert wird, gibt es ihn in Roth seit 15 Jahren. Dort spielt nicht nur wegen des zeitlichen Vorsprungs eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht.

Faktor eins, die Vorreiterrolle. Der Pflegestützpunkt (PSP) des Landkreises Roth war der zweite seiner Art in Bayern. Weil Alt-Landrat Herbert Eckstein ihn „unbedingt“ wollte – was auch bei der kleinen Feierstunde deutlich wurde. „Da gab es ein Defizit, nur hat sich keiner rangetraut“, sagt er als einer der wenigen geladenen Gäste zur Situation Anfang der 2010er Jahre. Anpackend, wie es Ecksteins Art aber war, setzte er die Einrichtung trotz Widerstände und „ohne Blaupause“ durch. Lob, Respekt und Anerkennung, die an diesem Tag allgegenwärtig waren, reichte er gerne an das Team weiter. „Ihr habt das großartig gemacht und geschafft, viel Vertrauen aufzubauen.“

Das Team, Faktor zwei. Nicht nur das „innerhalb“ des Pflegestützpunkts. Von Anfang an unterstützt und mitgetragen wurde die Idee von den Kranken-/Pflege- und Ersatzkassen, die mit dem Landkreis die Trägerschaft und damit finanzielle Grundlage geschaffen haben. Gemeinsam mit den Mitarbeitern haben sie den Pflegestützpunkt aufgebaut und geprägt. Gerade, weil sie großen Anteil an der Erfolgsgeschichte der Einrichtung haben, waren ihre Vertreter sowie der Diakoneo mit eingeladen. Letztere in Person von Bodo Steinheimer, weil die Fachstelle für pflegende Angehörige dort angesiedelt ist. Die wiederum lief praktisch von Beginn an – eine weitere Rother Besonderheit – Hand in Hand mit dem Pflegestützpunk mit dem gemeinsamen Ziel: hilfesuchenden Menschen und deren Angehörigen bestmögliche Unterstützung zuteil werden zu lassen.


Faktor drei: Die Kompetenz oder, wie es Landrat Ben Schwarz formulierte, „Lösungen, die auf das Leben zugeschnitten sind“. Dafür sorgen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Wissen, Erfahrung und das nötige Gespür mitbringen. Genau, „die Menschen“. Ein Programm mit Zielen reiche nicht, „es braucht die handelnden Personen“. Und die seien „klasse“, attestierte Ben Schwarz, der berichtete, „draußen“ viel positives Feedback wahrzunehmen. Neben dem Duo der ersten Stunde, Gerhard Kunz und Petra Lobenwein, stehen mit Kerstin Fink und – ganz neu – Marius Potzler zwei weitere Experten als Ansprechpartner bereit. Gerhard Kunz gab gerne zu, dass es ihm „heute noch so viel Spaß macht wie am ersten Tag“. Petra Lobenwein von der Fachstelle freut es nach wie vor sehr, wenn es gelingt, Betroffene zu unterstützen und ihnen Lösungsmöglichkeiten für den Alltag aufzuzeigen. Die Fachfrau mit Steckenpferd Demenz hat erst vor kurzem eine zweite Gesprächsrunde für pflegende Angehörige ins Leben gerufen, „weil der Bedarf einfach vorhanden ist“.

Als „starke Partner“ waren die AOK mit Direktor Claus Eitel und sein Stellvertreter Dieter Schwab zu dem kleinen Festakt geladen, Richard Hummel vertrat die IKK, deren Haupt-Ansprechpartner Helmut Göpfert sich wie  Eitel entschuldigen musste. „Er wäre sehr gerne gekommen“, richtete Hummel aus. Mit Anna Leib-Gerstner (früher beim Medizinischen Dienst) konnten die Verantwortlichen „eine große Stütze“ begrüßen. Sie habe maßgeblich zu dem hohen Qualitätsstandard beigetragen. Sie erinnerte an das Misstrauen, das dem PSP vor allem in der Anfangsphase entgegengebracht wurde. Dieter Schwab betonte, dass es „zwischen uns allen von Anfang an gepasst hat“.

Umgebung: Die Räume im Gesundheitszentrum eins neben der Kreisklinik anzumieten, sei ein guter Entschluss gewesen, bilanzierte Landrat Schwarz. Schon alleine, weil sie viele Menschen niederschwelliger aufzusuchen würden als „ins Amt“ zu gehen. „Der neutrale Boden ist wichtig“, ergänzte Gerhard Kunz. Er lobte nicht nur die gute Zusammenarbeit mit den Krankenkassen, sondern auch mit der Klinik „mit einem immer offenen Ohr“ – was Hausherrin und Klinik-Vorständin Nadine Ortner gerne hörte.

Ganz bewusst war der Festrahmen klein gehalten. „Wir wollten keine Feier mit hunderten Gästen und uns selbst beweihräuchern“, verdeutlichte Ben Schwarz. Man wolle das Jubiläum viel lieber zum Anlass nehmen, denen zu danken, die es ermöglicht hätten, in all den Jahren Gutes zu tun. Es sollten die im Mittelpunkt stehen, die den PSP initiiert und etabliert hätten. Er wünschte sich, dass der Geburtstag dazu beitrage, die Einrichtung und ihre Angebote noch bekannter zu machen. „Wir sind da, um für die Menschen da zu sein.“

Die Gründe, warum sich Menschen an den Stützpunkt wenden, sind dabei ganz unterschiedlich, ergänzte Sachgebietsleiterin Kerstin Gräf. Sie reichen von der Unterstützung bei der Antragsstellung eines Pflegegrads oder eines Schwerbehindertenausweises bis zu Akuteinsätzen, wenn sich Leben von heute auf morgen ändern, weil der Partner oder die Eltern eine schwere Erkrankung trifft und man nicht weiß, wie es weitergehen soll.

Die fehlende Blaupause zum Start sprach Alt-Landrat Herbert Eckstein, wie auch die Motivation an. „Das Ziel war immer, Menschen zu helfen“. Fast niemand hätte sich vor gut 15 Jahren an das Thema herangetraut, erinnerte er, dabei war der Handlungsbedarf schon offensichtlich. Im Landkreis sei klar gewesen: Miteinander schaffen wir das! Die Zahlen seien das größte Kompliment und die beste Bestätigung, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

„Hätte ich jetzt einen Hut auf, würde ich ihn ziehen“, meinte er in Richtung der Pioniere. „Sie haben Vertrauen aufgebaut, das ist ein großes Verdienst.“ Sein Nachfolger zollte ihm Respekt, das Ziel trotz vieler Unwägbarkeiten und Widerstände verfolgt zu haben. „Davon profitieren wir heute alle.“

Beeindruckende Zahlen lieferte Gerhard Kunz. 17 500 Beratungen stehen in der Statistik sowie 500 Hausbesuche, die alleine 2025 stattfanden. 8400 Wohnraumberatungen (viele in der landkreiseigenen Musterwohnung Tabea) waren zu verzeichnen. Gerade diese sind oft der Schlüssel zu längerer Selbstständigkeit, zu längerer Selbstbestimmtheit im Alter. „Und umso wichtiger“, wie Landrat Ben Schwarz einordnete, schließlich wünschten sich das wohl die meisten.

Es brauche Visionäre und Pioniere, stellte Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster die Rolle der Ideengeber heraus, ohne die „wir heute nicht hier stünden“. Neben der wichtigen individuellen Beratungsarbeit dankte er auch dafür, dass der Pflegestützpunkt – der alle zwei Wochen Besuch von einem Berater des Bezirks bekommt  - durch die vielen Jahre der Präsenz und der guten Arbeit ein Stück weit Normalität geworden sei. „Das hilft, zu helfen, und darauf kommt es letztlich an.“

Pflegestützpunkt

Öffnungszeiten

Montag bis Mittwoch: 08:00 - 13:00 Uhr
Donnerstag: 13:00 - 18:00 Uhr
Freitag: 08:00 - 12:00 Uhr

Beratungstermine mit vorheriger Terminvereinbarung

Anschrift

Weinbergweg 16 - Gesundheitszentrum I
91154 Roth