
Die Liebe zu England entdeckt
Ursula Böhm und Landrat Ben Schwarz erzählen vom Freundeskreis Brentwood
Stand: 17.01.2026
Ursula Böhm ist seit April Vorsitzende des Freundeskreises Brentwood – Wie es dazu kam, hat sie Landrat Ben Schwarz erzählt
Am Anfang stand eine Präsentation, die für die Begrüßung einer Delegation aus Brentwood benötigt wurde. Ursula Böhm aus dem Büro des Landrats übernahm kurzerhand diese Aufgabe. Ihre Neugierde war damit geweckt. Auf den Partnerdistrikt, die Freunde aus England als solche, auf diese außergewöhnliche Freundschaft. Mittlerweile ist sie ein Teil derer, und hat gleich zwei Jobs unter diesem Dach. Das wiederum wollte Landrat Ben Schwarz genau(er) wissen.
Nachdem im Landratsamt zu besagtem Zeitpunkt die Stelle der Landkreisbeauftragen nur kommissarisch besetzt war, erklärte sich Böhm spontan bereit, den Posten dauerhaft zu übernehmen. Gestärkt von der Aussage des damals amtierenden Landrats Walter Schnell, dass diese Aufgabe (wieder) im Büro des Landrats angesiedelt sein sollte. „Und wie das dann so ist...“, erinnert sie sich an ihre erste Reise nach Brentwood im August 2024. „Da hat Anne Klier dann im Bus verkündet, dass ich ihre Nachfolgerin als Freundeskreis-Vorsitzende werde.“ Was die 51-Jährige mit einem „Kannst du vergessen!“ kommentierte.
Ein Gedanke, der nicht lange anhielt. Denn die Landkreis-Partnerschaft war von Beginn an eine Herzensangelegenheit für sie. „Irgendwann hab‘ ich Anne dann angerufen und gesagt, ich mach’s“, erzählt die Rotherin Ben Schwarz, der über die „Personalunion“ und die gute Vereinsnachfolge froh ist. Die Verbindung zum Distrikt nahe London sei schon alleine wegen ihrer langen Tradition etwas Besonderes. Bereits in den 1960er-Jahren hatte der damalige Hilpoltsteiner Realschuldirektor Rudolf Wollmarker erste Bande gesponnen – ungewöhnlich früh. Offiziell besiegelt wurde die Partnerschaft dann 1979, der Freundeskreis Brentwood, so der Vereinsname, gründete sich 1989.
Landrat Schwarz zieht anerkennend den Hut, dass es gelungen sei, die Beziehung so lange so lebendig zu halten. Das sei all den Menschen geschuldet, die sich seit Jahrzehnten dafür einsetzten, angefangen von Max Peschke, Maria Reitmeir und eben Anne Klier, sowie der Herzlichkeit der Begegnungen. Beim Besuch der Engländer im letzten August habe er das selbst erleben dürfen, berichtet Schwarz.
Der Einstieg sei ihr leicht gemacht worden, erzählt Ursula Böhm von den Anfängen im letzten Frühjahr, als Anne Klier bei den Neuwahlen nicht mehr antrat. „Das Jahresprogramm stand ja schon“, lächelt sie. Zudem könne sie auf ein engagiertes Team und Bewährtes zurückgreifen. Doch „die Neue“ hat auch schon eigene Ideen und Ziele. „Wir wollen mehr Mitglieder gewinnen, vor allem auch jüngere“, sagt sie. Um sichtbarer zu werden, war der Verein dafür unter anderem erstmals beim Rother Christkindlmarkt vertreten.
Ein weiteres Projekt, dessen Teilnahmefrist dieser Tage endet: Ein Malwettbewerb für Acht- bis Zehntklässler. Die waren in den vergangenen Wochen dazu aufgerufen, das Thema Freundschaft auf Papier zu bringen. Für Spätentschlossene: Der Einsendeschluss ist auf den 22. Januar verlängert worden.
Neben vielen schönen Preisen, allen voran eine Flugreise nach Brentwood, werden die drei „schönsten“ Bilder zudem auf einer Kunst-Meile in der britischen, knapp 45 000 Einwohner zählenden, Stadt ausgestellt.
Wer glaubt, der alleinige Fokus des Freundeskreises liege auf Brentwood, irrt. Zum Vereins-Portfolio gehören weit mehr als der deutsch-englische Austausch. Im Angebot sind Treffen und Veranstaltungen, kulinarische Begegnungen und Ausflüge.
Ach so, da ist noch das „Offizielle“. Was macht denn eigentlich die „Landkreisbeauftragte“ im Amt in Sachen Brentwood? Derzeit vorwiegend Schulen in puncto Zuschüsse für Jugendaustausch(e) beraten (da ist gerade „Luft nach oben“). Künftig soll der Jugendaustausch – gemeinsam mit den Verantwortlichen beim Kreisjugendring - forciert werden. Ein weiterer Schritt, damit die Partnerschaft in den nächsten Jahrzehnten bestehen bleibt.
Und wenn sie selbst beim Malwettbewerb mitmachen dürfte, was wäre ihr Motiv? Ein Krake, der in einer Hand die englische und in der anderen die deutsche Fahne hält. Oder die des Landkreises und des Borough of Brentwood? Oder beide? Dazu muss man wissen: Ursula Böhm liebt Oktopusse. Die gelten bekanntlich als schlau, empfindsam und neugierig. Genau, da war doch was…