Der verspätete Sieg

Landrat Ben Schwarz hat Petra Sollmann aus Thalmässing, Gewinnerin der 17. Staffel der BR-Landfrauenküche, auf den Zahn gefühlt
Stand: 12.04.2026

„Sie kenn‘ ich doch aus dem Fernsehen...“ Im Landkreis Roth dürfte dieser Satz eher selten zu hören sein. Dennoch konnte ihn sich Ben Schwarz beim Zusammentreffen mit Petra Sollmann nicht verkneifen. Die 41-Jährige schließlich ist seit vergangenem Herbst ein Star. Als Teilnehmerin und Gewinnerin der Landfrauenküche – darüber wollte der Landrat mehr wissen. Und erfuhr als Erstes, dass der Sieg gewissermaßen Verspätung hatte.

Denn ursprünglich hatte die Produktionsfirma 2023 und 2024 schon einmal bei der Thalmässingerin auf der Suche nach einer mittelfränkischen Teilnehmerin angeklopft. Die sagte beim ersten Mal ab und wollte sich bei Anfrage zwei – da steckte sie inmitten der Vorbereitungen für das Hoffest und erbat sich Bedenkzeit - nicht gleich festlegen. Offenbar war Ersatz schnell gefunden. „Ich dachte, die melden sich nie wieder.“ Taten sie aber – und dieses Mal holten sie sich keinen Korb.

Nach der Zusage musste es schnell gehen, gerade einmal zwei Wochen blieben Petra Sollmann für die Zusammenstellung des Menüs. Eines war aber von Anfang an klar: „Rind war gesetzt.“ Aus gutem Grund, ist Limousin-Weiderind doch das „Signature“-Produkt des Schluckerhofs, das Markenzeichen also gewissermaßen. „Das Tierwohl ist uns ganz wichtig“, erklärt die 41-Jährige die Philosophie von ihr und ihrem Mann Stephan.

Vor rund 13 Jahren haben sie den Einödhof mit Adresse „Feinschluck eins“ übernommen. Was Ben Schwarz erst zum Schmunzeln („besser könnte man es sich nicht ausdenken“) und dann zu einem Lob bringt. Für das, was das das Ehepaar dort geschaffen hat, aber auch für das generationenübergreifende Miteinander zu Leonhard und Erna Merkenschlager, den früheren Eigentümern. Stichwort „außerfamiliäre Hofübergabe“.

Doch nicht nur dafür ist Feinschluck 1 bekannt, sondern auch für den Erlebnisbauernhof, den Petra Sollmann mit Führungen – vor allem für Schulklassen -, Thementagen und Jahreskursen mit Leben erfüllt. Letztere sind für Petra Sollmann mit einer Menge Gefühle verbunden. „Da fließen am Ende schon mal Tränen und alle wollen wiederkommen.“

Für Landrat Schwarz ein letzter Beweis, dass die Thalmässingerin eine „Erlebnisbäuerin mit Herzblut“ ist. Erlebnisbäuerin ist eine Qualifikation, die man sich erwerben muss. Wie auch den Ingenieurgrad für Ernährung und Versorgungsmanagement, den die zweifache Mutter zudem vorlegen kann. Zumindest im Kleinen erleben darf das Kleinod aber jeder („wir wollen transparent sein“) – nötig ist dafür aufgrund der vielen Termine allerdings eine Voranmeldung.

Jetzt aber „ab in die Küche“. Die findet – was den professionellen Part angeht – im Gerberwirt statt, dem Eltern(gast)haus von Petra Sollmann, das sie und ihr Mann 2023 übernommen haben. „Ich bin ein echtes Wirtshauskind“, schmunzelt die 41-Jährige, „mit Laufgitter in der Küche und so“ – übrigens ein „Schicksal“, das ihre Kinder teilten.

Genau in diesem Umfeld sieht sie den Grund für ihre Affinität zur Gastronomie. Sie sei „wahnsinnig gern Gastgeberin“, erzählt sie warmherzig. Die sechs Mitstreiterinnen der Landfrauenküche (eine aus jedem Regierungsbezirk) hat sie jedenfalls offenkundig überzeugt – wer die Folge gesehen hat (nachzuschauen in der ARD-Mediathek unter Landfrauenküche: Petra Sollmann · Mittelfranken (S17/E07)), weiß, warum. Denn zu erleben sind da unter dem Schlagwort „regional und raffiniert“ 45 Minuten Herzlichkeit, Authentizität, eine Paarung aus Können, Wissen und handwerklichem Geschick, aus Leidenschaft und Überzeugungen. Eine Kombination, die Ben Schwarz Respekt abringt. Besonders die kurzen Wege zwischen Weide und Teller beeindrucken. „Besser gehen Land- und Gastwirtschaft wohl nicht zusammen“, unterstreicht er.

In den vergangenen Monaten hat sich in seinen Augen eine Wahrnehmung oft wiederholt: „Die Leute wollen mehr und mehr wissen, wo die Produkte herkommen“. Umso erfreulicher sei es, dass (Gastronomie)Betriebe ihr Augenmerk entsprechend setzen. Für die Traditionsgaststätte im Herzen Thalmässings bedeutet das gemäß der Sollmann`schen Philosophie die Zusammenarbeit mit Lieferanten ausschließlich aus der Region – und gewissermaßen sich selbst. Heißt aber auch: „Wenn`s kein Fleisch gibt, gibt`s auch keinen Burgertag.“ Auch das gehört zur Ehrlichkeit, vor der Ben Schwarz nur den Hut ziehen kann – und möchte.

Zwar waren die Gerberwirt-Themenabende schon länger ein Renner, mit dem Gewinn der Landfrauenküchen-Staffel gingen die Nachfragen aber durch die Decke. Es dauerte auch nicht lange, ehe sie nicht das erste Mal gefragt wurde, ob sie denn nicht mal das Siegermenü nachkochen könne. „Daraus sind bis jetzt schon 500 geworden“, lächelt die zweifache Mama. Und ein Ende ist nicht in Sicht, im Oktober greift sie die Idee wieder auf. Was genau gibt es da?

Lila Karottentatar mit Eigelbspänen, Blattsalaten und Brot-Rose als Vorspeise, zum Hauptgang Boeuf Bourguignon an Lauchgemüse, Kartoffel-Kürbis-Gnocchi und geschmorter Tomate sowie den Desserttraum Beeren-Parfait mit flambiertem Baiser, Buttercrumble und glasierten Mirabellen. Kein Wunder, dass Ben Schwarz da am liebsten gleich mit Richtung Thalmässing gefahren wäre.

Aber aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben.
Der Landrat zählt zusammen: Landwirtschaft, Gasthaus, Führungen am Erlebnisbauernhof, Familie und so weiter - klingt nach ausgefüllten Tagen. „Ja, ist schon viel“, gibt Petra Sollmann zu, „aber wenn man etwas gerne tut…“, lächelt sie die Mehrfachbelastung weg. Zumal sie das Gefühl habe, Wertschätzung zu erfahren und zurückzubekommen.

Wie aber schafft man es überhaupt auf die Liste der potenziellen Kandidatinnen? Über Mund-zu-Mund-Propaganda oder Recherchearbeit der Produktionsfirma, verrät die gelernte Hotelfachfrau mit zahlreichen Zusatzqualifikationen. Anders ausgedrückt: „Die Landfrauenküche kommt zu einem.“  Quasi ein Ritterschlag, ehe der Dreh losgeht.

Den gibt Landrat Ben Schwarz symbolisch gerne weiter: „Was ihr da umsetzt, vorlebt und weitergebt, ist einfach großartig.“ (Und – Anmerkung - dann schmeckt das auch noch fantastisch…)

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