Am gemeinsamen Weg mitgebaut

Walter Schnell scheidet nach 30 Jahren aus der Synode der Evangelischen Landeskirche aus – Anlass für ein Gespräch
Stand: 27.03.2026

Landratsstellvertreter Walter Schnell scheidet nach 30 Jahren aus der Synode der Evangelischen Landeskirche aus – Anlass für ein Gespräch mit Ben Schwarz

Wenn ein Landrat seinen Stellvertreter interviewt, muss schon etwas Besonderes dahinterstecken. Im Fall von Ben Schwarz und Walter Schnell ist es dessen bemerkenswerte „Kirchenkarriere“. 30 Jahre lang gehörte der Kammersteiner der Evangelischen Landessynode an, Ende März nun scheidet er aus. Wenn das kein Gesprächsthema ist…

Ein wenig ist Walter Schnell die innere Zerrissenheit anzumerken. Erleichterung auf der einen Seite - der Zeitaufwand für das Ehrenamt ist immens und die Aussicht auf mehr Freizeit verlockend. Dazu gesellt sich das gute Gefühl, etwas erreicht zu haben und die Dankbarkeit für viele schöne Begegnungen. „Aber natürlich geht auch ein Lebensabschnitt zu Ende“, flammt ein wenig Wehmut auf.

Dennoch sei die Entscheidung, im vergangenen Dezember nicht mehr für das Kirchenparlament zu kandidieren, richtig gewesen. Zumal er noch der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland angehört und sich auf diesem Feld sicher auch „vor der Haustür“ Arbeit finden lasse. Der frühere Bürgermeister kann nur raten, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Zu motzen und auf „die da oben“ zu schimpfen, ist leicht“, meint er. Stattdessen solle man sich lieber einbringen. Er jedenfalls habe erfahren, dass es möglich ist, Kirche mitzugestalten. Das ist etwas, das er vor allem auch jungen Menschen gerne mitgeben würde.

Ihn selbst hat die Jugendarbeit nicht nur in die eigene Kirchengemeinde, sondern als Vorsitzenden des Landesjugendkonvents 1978 erstmals als berufenes Mitglied auch in die Synode „gespült“. 2002 hat er sich dann zur Wahl gestellt, elf der folgenden 24 Jahre war er Vizepräsident des 108 Mitglieder starken Gremiums. Im Übrigen als erster Nicht-Jurist und Nicht-Theologe. Ein Umstand, der ihn durchaus stolz macht.

Wie manch anderes, denn „man kann durchaus etwas bewegen“, im Großen – Mitreden beim Landesstellenplan oder Mitwirken an Gesetzen – wie im Kleinen. Ben Schwarz kommt spontan das Kirchlein in Mäbenberg in den Sinn, dessen Renovierung erst durch finanzielle Mittel aus der Landesstiftung gestemmt werden konnte. „Ich konnte Vieles anschieben“, zieht Walter Schnell ein positives Fazit. Das Landrat Ben Schwarz mit einer Kombination aus Dank und Anerkennung kommentiert: „Großes Kompliment für dein Engagement.“

Quasi in Vorbereitung seines Abschieds – die neue Synode (bedeutet „gemeinsamer Weg“) trat am vergangenen Sonntag erstmals zusammen – hat er ein wenig Statistik gemacht, verrät er Ben Schwarz. Ein Ergebnis: Über 700 Tage war er allein in dieser Sache in all den Jahren unterwegs. Nicht mitgerechnet die Zeit, die er als Ansprechpartner für die 26 Kirchengemeinden im Dekanat Schwabach einbrachte – auch das eine Aufgabe des Synodalen. „Das bringt natürlich zusätzliche Verpflichtungen mit sich.“

Von den vielen bewegenden Momenten, die Schnell in seiner Synodenzeit erleben durfte, möchte er einen herausgreifen. Im November 2023, als ein neuer Landesbischof gesucht wurde, durfte er als Wahlleiter fungieren. „Eine der schönsten Aufgaben“, sagt er. „Und als dann nach mehreren Urnengängen mit Christian Kopp der Neue feststand…“ – es wird emotional, als der 73-Jährige davon erzählt.

Vier Landesbischöfe hat er als Synodaler erlebt, alle mit sehr unterschiedlichem Naturell und Ausrichtung. Mal mehr Seelsorger, mal mehr Kapitän. Als solchen schätzt er auch den aktuellen Oberhirten Christian Kopp ein, der seiner Meinung versuchen muss, mit strategisch klugen Entscheidungen die Kirche auf Kurs zu halten.

Eine große Herausforderung. „Weniger Mitglieder, weniger Geld, weniger Immobilien“, führt der frühere Bürgermeister schlaglichtartig an. „Wir werden uns vieles nicht mehr leisten können.“ Was aber auch bedeutet: Die Rolle der Ehrenamtlichen und die der Basis, explizit des Kirchenvorstandes, werden immer wichtiger. „Die müssen wir stärken“, formuliert Schnell eines der von ihm ausgemachten Hauptziele. Änderungen stünden sicher auch der „Amtskirche“ bevor. Mehr berufsübergreifend und auf größere Einheiten zugeschnitten zeichnet der Fachmann als das Bild der Zukunft.

Eine Entwicklung, die auch „an uns“ nicht vorbei gehen wird, stellt Schnell mit Blick auf geplante Zusammenlegungen in Aussicht. Das sieht er durchaus als Chance, streifen den Landkreis doch drei weitere Dekanate. Ein möglichst gut an die Landkreisgrenzen angepasstes Dekanat Roth-Schwabach wäre seine Idealvorstellung.

Warum tut sich seiner Meinung nach Kirche derzeit schwer? Schließlich könnte man meinen, dass in Krisenzeiten eher nach Orientierung gesucht werde. „Sie spricht oft nicht die Sprache der Menschen“, meint Walter Schnell. Und mitunter auch nicht klar und offen sagt, wofür sie steht. Schnell wünscht sich ein stärkeres Eintreten für die Schwächsten, Frieden und gegen Ausgrenzung. „Kirche sollte ein verlässlicher Ort für jeden sein.“ Dann würde ihre Bedeutung wieder steigen, ist der 73-Jährige überzeugt.

Es gibt Gespräche -und… es gibt Gespräche… Das zwischen Ben Schwarz und Walter Schnell zu 30 Jahren Landessynode fällt eindeutig in die Premium-Kategorie. Und könnte eine Fortsetzung finden, schließlich ist der Kammersteiner seit 1996 stellvertretender Landrat. Klingt ganz nach einer neuen Geschichte.

Video-Interview auf Youtube (extern)

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