Sie gehen gerne auf die Straße

Tim Hafenbradl und Jona Hofbeck sind die Bauhof-Azubis des Landkreises – Ben Schwarz hat ihnen auf den Zahn gefühlt
Stand: 11.02.2025

Das hätte sich Tim Hafenbradl wohl nicht träumen lassen, als er seinen Ausbildungsvertrag unterschrieben hat. „Ich geh´ jetzt ins Fitnessstudio“, verrät der 18-Jährige seinem Chef und Landrat Ben Schwarz. Der will ganz genau wissen, was „seine“ Straßenwärter-Azubis so treiben – und gewinnt im Gespräch mit Tim und seinem jüngeren Kollegen Jona Hofbeck ganz neue Erkenntnisse.

Wie sind die jungen Männer überhaupt auf den Beruf gekommen, und auf welchen Wegen beim Landratsamt gelandet? „Wir sind über ein Praktikum reingerutscht“, erzählen sie. Bei einem war der Papa „schuld“, beim anderen der Nachbar. Beide empfahlen den damals „Noch-Schülern“, sich doch den Landkreis-Bauhof mal näher anzuschauen. Und siehe da: Tätigkeit, Technik, Teamgeist, alles „Eins a“. Und besser als woanders, denn die Praktika an den Bauhöfen waren nicht die einzigen, die die mittlerweile 17 (Jona) und 18 Jahre alten angehenden Straßenwärter absolviert haben.

Ben Schwarz freut sich zu hören, dass „die Kollegen“ für die Berufswahl der Jugendlichen mit ausschlaggebend waren. „Die ham passt“, sagt Jona Hofbeck. Und tun es noch – jedenfalls würden sich beide mit dem Wissen von heute wieder so entscheiden. „Es ist cool.“ Tim Hafenbradl ist im dritten Lehrjahr und darf schon einiges mehr als „Erstsemestler“ Jona.

Auch der hat schon einiges zu berichten aus den rund vier Monaten, in denen er in Diensten des Landkreises steht. „Ich war schon beim Risse-Vergießen eingesetzt und durfte „beim Stramot“ mitfahren“, erzählt Jona seinem Chef. „Streckenkontrolle“, erläutert der 17-Jährige auf dessen Nachfrage souverän und hat gleich Beispiele parat: Wenn ein Leitpfosten kaputt ist, wird das gleich erledigt.

Eine Erfahrung, die er – wie auch Tim - im Vergleich zum Praktikum macht: Tätigkeiten und Gerätschaften sind viel umfassender als sie „im ersten Aufschlag“ mitbekommen haben. Da gehören auf einmal Arbeitseinsätze auf den Deponien zum Aufgabenbereich und auch die Sache mit dem Winterdienst war eine Überraschung. Für den sind beide aktuell allerdings noch außen vor. Einzige Ausnahme: Falls doch noch mal mit der Hand gestreut werden muss.

Ehe die Lehrzeit nicht vorüber ist, lassen die Bauhofleiter ihre „Jungen“ nicht selbst fahren, zumal sie meist noch keinen Lkw-Führerschein haben. Der wiederum ist Bestandteil der Ausbildung – Tim ist gerade drüber - und für manchen zusätzlicher Anreiz, wie Sachgebietsleiter Michael Stark weiß. Er betont: „Wenn wir ausbilden, wollen wir auch übernehmen.“

Was die jungen Männer in Sachen körperlicher Arbeit beim Praktikum schon geahnt haben, bewahrheitet sich. „Manchmal ist es ganz schön anstrengend“, geben sie zu – so erklärt sich im Übrigen auch Tims Vertrag fürs Fitnessstudio. Nicht zu unterschätzen die Wetterextreme. „Bei 30 Grad heftig“, sagt der Georgensmünder Tim, der schon einige heiße Tage mitgemacht hat. Was Ben Schwarz zu der Frage bewegt, wie die Mitarbeiter denn geschützt würden. „Wir bekommen Sonnenhut, Creme oder warme Sachen gestellt, das ist echt gut“.

Noch etwas müssen die jungen Lehrlinge „wegstecken“: Die Berufsschule ist in Würzburg. Bedeutet: Während der Woche „weg von Zuhause“, viel Neues – Menschen, Orte, Erfahrungen.

Ob es denn stimme, dass die Lehrlinge als Erstes um halb zehn zum Brotzeit-Holen geschickt würden, will Landrat Schwarz augenzwinkernd wissen. Sein „Nein“ ergänzt Tim um seinen Eindruck, dass er sofort als Team-Mitglied gesehen wurde. Auch Jona ist stolz, dass er „dazugehört“.

Von Mäharbeiten bis Lichtraumschnitt, von Grabenreinigung bis Deckenbauten – von Tag eins an sind Lehrlinge dabei, ergänzt Josef Finweg, Leiter der Bauhöfe.  Zwar mag der Ausbildungsplan eine andere Reihenfolge vorgeben, die passe aber oft nicht zur Wirklichkeit. „Uns ist wichtig, dass sie alles lernen, was sie brauchen“, verdeutlicht er. Die Jungen finden´s gut: „Man wird gebraucht und gleich eingesetzt.“

Das erste Mal „auf der Straße“ bleibt beiden in Erinnerung, „das war schon was“. Tim nicht zuletzt deshalb, weil er während des Praktikums den Großteil der Zeit im Bauhof selber verbrachte. „Wir haben viel gepflastert“, berichtet er. Jona erzählt, dass er seit seinem Ausbildungsbeginn mit ganz anderen Augen durch den Landkreis fährt. „Ich schau den Belag an und versuch, mir die Namen zu merken. RH 9, RH 6…“

Damit das Interview „in der Wabe“ nicht allzu einseitig verläuft, stellt sich auch Ben Schwarz den Fragen seiner jungen Mitarbeiter. Die wollen prompt ganz keck wissen, was der Landrat denn so über „seine“ Bauhöfe höre. Deren Arbeit werde sehr bewusst wahrgenommen, betont Schwarz, der den beiden „Youngstern“ stellvertretend für das gesamte Team dankt. Es dürfte wenig Bereiche geben, die den Bürger direkter betreffen. Stichworte Winterdienst und Straßenzustand. „Ihr übt eine ganz wichtige Funktion aus.“ Gibt es ein schöneres Bekenntnis vom Chef?

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