Ein besonderer Lernort

Der Name ist Programm: Die Intensivklassen bieten Kindern Lernen in geschütztem Raum mit individueller Betreuung
Stand: 26.06.2026

Im ersten Moment erinnert nichts an Schule, was sich da zu Beginn des Tages zuträgt. Jungen und Mädchen kommen, begrüßen die Erwachsenen per Handschlag, haben vielleicht auch schon eine Idee ob sie lieber mit Spiel- oder Frühstückszeit starten mögen. Und doch: Es ist kurz vor Unterrichtsbeginn für zwei außergewöhnliche Klassen, das ist klar. Aber auch für eine Einrichtung, die seit Langem besondere (Erfolgs) Geschichten schreibt.

Ganz speziell im vergangenen Jahr, als fast alle „Intensiv-Klassenkinder“ den Weg zurück in eine Regelschule fanden. Genau das nämlich ist das Ziel, erklärt Alexandra Leistner. „Wir möchten für jeden die passende Schulform finden.“ Dafür tut sie als heilpädagogische Förderkraft wie ihre Kollegen – Sozial- und Sonderpädagogen – eine Menge. Allen voran mit Aufmerksamkeit.

Die Kinder brauchen spezielle Zuwendung, weil sie schwierige familiäre Verhältnisse, mitunter auch Gewalt, mit sich herumtragen. Weil sie gemobbt wurden oder traumatisiert sind. Sie würden im normalen Schulalltag untergehen. Nun blühen sie in der entspannten und druckbefreiten Umgebung in Haus D des Förderzentrums regelrecht auf. „Das zeigt uns, dass die intensive Betreuung Früchte trägt.“

Wie die sich lohnt, hat sich gerade beim letzten Jahrgang gezeigt. Fast alle schafften den Sprung zurück in „Regelklassen“. Und sie zeigt sich in der engen Bindung, die viele der Ehemaligen zu ihrem „Haus D“ haben, in dem die Intensivklassen in unmittelbarer Nähe des Sonderpädagogischen Förderzentrums zuhause sind. „Gerade die, die nebenan weiter machen, kommen immer wieder mal vorbei“, berichten Alexandra Leistner und ihre Kollegen.

Der Alltag in den Intensivklassen - im Landkreis Roth und im Jugendamt unter dem Namen „Brückenklassen“ geführt - beginnt bewusst sacht. Die aktuell 16 Kinder sollen erst einmal ankommen. Im Angebot sind Müsli, Brot, Aufstriche, aber auch Obst und geschnipseltes Gemüse. Zweimal pro Woche gibt es zudem Backwaren. Die Bäckerei Schmidt stellt Tüten zusammen, in denen sich Leckeres und gut Haltbares vom Vortag findet. Nussstangen, Plunderteilchen oder auch Herzhaftes wie Käsestangen oder Pizzafladen. Die Erzieher sind froh um diese Spende. Wie sie überhaupt den Unterstützern der Schule dankbar sind. Zu denen zählen als feste Größe seit langem der Rotary Club und Edeka Fischer. Dort gehen die Jungen und Mädchen auch regelmäßig gemeinsam einkaufen – Lebenswirklichkeit lernen.

Auch im Unterricht geht es behutsam und sehr strukturiert zu. Feste Abläufe helfen den meisten Kindern, erklärt Johannes Büchs aus dem Brückenklassen-Team. Bewährt hat sich zudem eine Mischung aus Einzelbetreuung, begabungsgerechter Förderung und Gruppenarbeit. Wobei auf die in Roth großer Wert gelegt wird, schließlich haben nicht wenige Schüler Schwächen im Bereich der Sozialkompetenz. Diesen wird mit Exkursionen, Projekten, Arbeitsgruppen wie Fahrrad, Klettern oder auch „nur“ mit gemeinsamer Zeit auf dem Spiel- oder Bolzplatz begegnet. „Dadurch sind wir viel näher an den Kindern dran“, sagt Jan Moosmann aus dem Team. Auch das regelmäßige gemeinsame Einkaufen dient der Schulung sozialer Interaktion.

Gerade die Zeit am Nachmittag ist wertvoll und trägt dazu bei, Lebenspraxis zu lernen. Das macht einen der wesentlichen Unterschiede zu „normaler“ Schule aus. Auch Besuche der Kinder in ihrem familiären helfen, ihre Situation besser zu verstehen und ihnen maßgeschneidert zu helfen.

Zur intensiven Betreuung gehören neben kleinen Klassen und einem hohen Personalschlüssel spezielle Angebote. So ist eine Klasse jeden Mittwoch am Auhof im Einsatz. Dort helfen die Jungen und Mädchen tatkräftig am Bauernhof mit, Tiere, Pflanzen, Natur, „alles“. Im Übrigen seit Kurzem in Sicherheitsschuhen, die Silvia Lux von der gleichnamigen Baufirma über die Rotarier gesponsert hat.

Die Intensivklassen mit ihrer gezielten Förderung sind für Landrat Ben Schwarz ein sehr wertvolles und wichtiges Angebot. „Es muss unser Ziel sein, jeden einzelnen jungen Menschen mit dem bestmöglichen Rüstzeug auszustatten.“ Auch die Gesellschaft könne es sich nicht leisten, Jugendliche zu verlieren, gibt er zu bedenken.

„Wir kommunizieren hier sehr offen“, nennt Alexandra Leistner eine weitere Maxime des Hauses. Das scheint zu fruchten und sich niederzuschlagen, die meisten Kinder erzählen beim gemeinsamen Frühstück locker drauf los. Was sie am Nachmittag zuvor oder Wochenende getrieben haben, wie es ihnen geht. Und sie erklären offen, warum sie in der Intensivklasse sind.

„Ich bin mit meinen Mitschülern nicht klargekommen“, sagt einer. „Es war schwierig“, ein anderer. Mobbing, fehlende Strukturen oder Zerrüttungen im Elternhaus sind seit Jahren große Themen im Alltag der Gruppen. Das erfordert ein sicheres Umfeld sowie Einfühlungsvermögen und eine Menge Geduld von den Pädagogen. „Jeder Tag ist anders, du weißt nie, was passiert“, verdeutlicht Alexandra Leistner.

Umso wichtiger ist ein entspannter Start. Für den ist das gemeinsame Frühstück ein wichtiger Baustein. „Manchmal setzen sich Jungen und Mädchen auch einfach nur dazu.“ Reden muss keiner.  Und wenn die Arbeit auch viele Herausforderungen mit sich bringt, sind sich alle im Team einig: „Wir haben hier besondere Kinder.“

Gut zu wissen: Die derzeit zwei Intensivklassen (Jahrgangsstufen drei und vier) sind organisatorisch an die Schule am Stadtpark angebunden. Sie besuchen Schülerinnen und Schüler mit deutlich höherem Förderbedarf im emotionalen und sozialen Bereich. Ziel ist es, die Kinder intensiv zu betreuen und ihnen eine erfolgreiche Rückkehr in das reguläre Schulsystem zu ermöglichen. Dafür werden sie in Roth auch noch das zweite Halbjahr intensiv in der fünften Klasse der weiterführenden Schulen begleitet. Ein Team aus drei sonderpädagogischen Lehrkräften, zwei Sozialpädagogen, einer Heilpädagogin und einem Erzieher kümmert sich um die Jugendlichen.

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