
Lernen "Im schönsten Klassenzimmer der Welt"
Dieses wurde am Donnerstag in Spalt offiziell eröffnet – Sein modernes Konzept hat das Zeug, bundesweit für Aufsehen zu sorgen
Stand: 11.10.2026
Es ist ein Tag für die Geschichtsbücher gewesen. Ein prämiertes Innovationsklassenzimmer ist zu Schuljahresbeginn im Landkreis Roth, genauer in Spalt, an den Start gegangen. Nun wurde es offiziell eingeweiht – mit Glückwünschen, starken Statements, viel Prominenz, Superlativen, Appellen, Herzblut und Begeisterung.
Nachdem beim Festakt in der Spalatin Schule Spalt, in der der frühere Physik-Chemie-Raum samt Sammlung in einem „einzigartigen Gemeinschaftsprojekt“ in einen modernen Lernort für die aktuelle 4 b umgestaltet wurde, immer wieder die Kinder in den Mittelpunkt des Handels und den Fokus‘ gestellt wurden, beginnen wir doch mit ihnen.
„Unser Baumhaus ist der Hit“, „hier ist es viel ruhiger als im alten Klassenzimmer“ oder „ich kann hier entspannter lernen“, waren nur einige Aussagen, die die Jungen und Mädchen nach den wenigen Wochen in ihrem neuen „zweiten Zuhause“ verlebt haben. Weil es genau das ist, sei die Ausgestaltung so wichtig, leitete Rektorin Silke Kühnert ein. Selbst Grundschüler verbrächten mit Schlusszeiten von 15.30 Uhr mehr Zeit in der Schule als daheim. „Dem muss Rechnung getragen werden“, sensibilisierte sie.
„Der Raum wurde an unser pädagogisches Konzept angepasst“, freute sie sich. Schulamtsdirektorin Antje Döllinger wies auf die Geschwindigkeit hin, mit der das Projekt umgesetzt wurde. Von ersten Ideen im Februar/März bis zum Baubeginn in den Sommerferien, „das ist einzigartig“, wie es Dr. Christian Hilz, einer der Projektpartner formulierte.
Und traf damit genau das, was Landrat Ben Schwarz betonte. „Man muss Dinge umsetzen und einfach mal machen.“ Er wünschte sich speziell in der Bildungspolitik weniger „könnten/müssten/sollten, wir müssen ins Tun kommen“. Lern- und Lehrformen müssten sich an die Anforderungen, aber auch die jungen Menschen anpassen. Das modulare Konzept in Spalt sei da ein Anfang, weil „ich mir sicher bin, dass daraus noch viele weitere gute Ideen entstehen werden“.
Ganz wichtig war ihm der Hinweis auf die vielen Partner, die sich für das Innovationsklassenzimmer stark gemacht hatten - finanziell, zeitlich oder konzeptionell – sowie, dass das Projekt eines für die gesamte Region sei. Das zeige sich in der Anwesenheit des Schwabacher Oberbürgermeisters Peter Reiß sowie an zahlreichen Gästen aus dem Nürnberger Land, wo in Schnaittach der Prototyp des Innovationsklassenzimmers entstanden ist.
Landtagsabgeordneter Felix Locke fiel neben seinem Statement eine weitere Rolle zu. Der Parlamentarische Geschäftsführer der FW-Fraktion durfte ein eingespieltes digitales Grußwort des Bayerischen Wirtschaftsstaatssekretärs Tobias Gotthardt anmoderieren, der Spalt als Vorbild bezeichnete. Locke selbst sah in dem Innovationsklassenzimmer den Anspruch verwirklicht, Bildung ganzheitlich zu denken und die Lehrergesundheit zu berücksichtigen. Lernräume wie der ehemalige Physiksaal sollten als Status Quo der bayerischen Bildungslandschaft gelten. Locke wandelte ein bekanntes Zitat um: „ES mag nur ein Klassenzimmer für Spalt sein, aber es ist ein ganz großer Schritt für die Bildungslandschaft.“
Spalts Bürgermeister Thomas Peitz sprach von einem großen Schritt hin zu einer modernen, zukunftsorientierten Schule. „Wenn man den Raum betritt und die Atmosphäre spürt, hat sich der Aufwand gelohnt“, beteuerte er. „Wir haben hier keinen Mercedes, sondern einen Maybach.“ Klar sein müsse aber auch: Ohne die Gewerbetreibenden und Spender wäre eine Realisierung nicht möglich gewesen. Angedacht ist deshalb auch eine Sponsorenwand, die „noch den ein oder anderen Namen vertragen würde“, wie er schmunzelnd anmerkte.
Ein großes Lob gab es zudem von Regierungsvizepräsidentin Birgit Riesner. „Hier wird Innovation gelebt“, anerkannte sie. Der Ansatz, Verantwortung für sich und das eigene Lernen zu vermitteln und Unterschiedlichkeiten zu berücksichtigen, gefalle ihr außerordentlich gut. „Das ist nicht nur ein Raum für Kinder, das ist IHR Raum.“
Einer, der viele Möglichkeiten bietet, wie Silke Kühnert näher erläuterte. Das Licht passe sich der Tageszeit an, die Kinder könnten einzeln oder im Team arbeiten und vor allem in ihrem Tempo.
Nachdem die Gästeliste sehr hochrangig besetzt war – vor allem aus der Bildungslandschaft – hatten sich die Organisatoren aus Schule und Staatlichem Schulamt neben Grußworten zu einer kurzen Statement-Runde entschlossen. Auf diesem vertreten waren Alexander Altendorf-Schöpke (Geschäftsführer des Bündnis für Bildung), Udo Beckmann (Leiter Programmbeirat beim Deutschen Schulleiterkongress), Professor Dr. Peter Steinhoff (Vizepräsident des Europäischen Wirtschaftsforums), Ulrike Hölzel, Rektorin der Grundschule Hersbruck und Mitentwicklerin des Innovationsklassenzimmers, sowie Landrat Ben Schwarz, den Moderator und Schulrat Martin Mederer als „Bildungsdenker und -entwickler“ vorgestellt hatte.
Alexander Altendorf-Schöpke appellierte, stärker über die Kompetenzen zu reden, die in der digitalen Welt gefragt sind. Statt Geräten und technischer Ausstattung müssten die Schüler im Mittelpunkt stehen. „Dieser Raum hier zeigt das eindrucksvoll.“ Bundesweit werde man auf diesen Landkreis blicken, prognostizierte er.
Bildungsgerechtigkeit beginne bei Licht, Akkustik, Temperatur und Wohlfühlen, unterstrich Udo Beckmann. „Wir brauchen lernförderliche Räume, dann erzielen wir auch viele positive Effekte.“ Ulrike Hölzel zeigte sich vor allem von der Reaktion der Kinder auf „ihr“ Klassenzimmer begeistert, für dessen Gestaltung die Kleinen selbst Vorschläge machen durften - die zum Teil auch einflossen.
Für Pfarrer Josef Mederer war die Segnung mehr als eine zu erfüllende Aufgabe. „Ich komme immer gerne“, gab der katholische Geistliche gerne zu. Er wünschte, dass stets der Geist von Gemeinschaft, Rücksichtnahme und Respekt im Zimmer herrsche. Als einer der ersten, die in den Genuss einer Führung kamen - die die Viertklässler übernahmen – zeigte er sich neugierig über die neue Art der Wissensvermittlung.
„Wir können es uns nicht leisten, auch nur ein Kind zu verlieren“, fasste Christian Hilz im Namen der Projektgruppe deren Motivation zusammen. Attraktive Lernräume und ein Wohlfühl-Umfeld seien dafür unabdingbar. Der Geschäftsführer der Gredinger Firma trend interior sprach zugleich als Mittelständler. „Gute Bildung, gute Azubis“, brachte er es auf den Punkt. „Wir müssen uns da engagieren“, bekräftigte er. Hilz wies zudem auf die wissenschaftliche Begleitung der Projekte in Schnaittach und Spalt hin. „Wir können genau sagen, welchen Effekt Maßnahme A oder B hat.“
Den Jungen und Mädchen der 4 b dürfte das einigermaßen egal sein. Für sie zählt seit ein paar Wochen etwas anderes: Sie lernen im „schönsten Klassenzimmer der Welt!“