
Drei Oscars gehen in den Landkreis
Die Firmen Fath und Memmert werden mit dem Bayerischen Mittelstandspreis ausgezeichnet, Trend interior gewinnt den Roland-Berger-Zukunftspreis
Stand: 23.07.2026
Es ist zweifelsohne ein Abend der Superlativen im Herzen Münchens gewesen. Örtlichkeiten, Menschen, Ideen, Preise, Visionen. Und mittendrin der Landkreis Roth, der sich vermeintlich das Prädikat „meist genannt“ ans Revers heften darf. Denn Firmen wie Fath, Memmert oder Trend interior, die noch dazu eine besonders sensible Aufgabe wuppen mussten, brachten Glanz in die Region.
Hätte nicht schon allein die Tatsache, dass „Roth“ vergleichsweise stark vertreten war, für Aufsehen gesorgt, waren es bei der feierlichen Verleihung des Bayerischen Mittelstandspreises mit hunderten Gästen am Ende des Tages die Schutz- und Transportboxen für die Goldenen Bavarias, mit denen die Trophäen ihre Weiterreise antrat, die für Chapeaus sorgten. Genau die hatte nämlich die Gredinger Firma Trend interior auf Zuruf ausgetüftelt und gebaut – gewissermaßen als ein „on top“, zählte sie doch zugleich zu den Gewinnern.
Wenn auch nicht des Mittelstandspreises „itself“. Den sahnten andere ab, auch aus dem Landkreis Roth. Die Fath Unternehmensgruppe Spalt etwa und die Memmert GmbH mit Ursprung in Büchenbach. Letztere für ihre hochmodernen Klima- und Temperierlösungen, die vor allem im medizinischen Bereich für Fortschritt sorgen. „Sie helfen, Krankheiten schneller zu erkennen und somit Leben zu retten“, würdigten die Moderatoren und Laudatoren Isabella Schramm und Peter Steinhoff. Memmert stünde für Spitzenforschung und einzigartige Exaktheit. Der Slogan, „seit über 90 Jahren aus Bayern in die Welt“ sei Programm und Anspruch zugleich.
Fath wiederum stehe, so hieß es in der Laudatio, für Mittelstand, der international Maßstäbe setzt und als Weltmarktführer für Aluminiumprofilsysteme gilt. Herausgestellt wurden die Kundennähe, Innovations- sowie Lieferfähigkeit des 1989 gegründeten Unternehmens Dessen Geschichte mute ein wenig wie die von Apple an, begann doch alles mit einer Spritzgussmaschine in einer Scheune, konnte sich Moderator Professor Steinhoff einen Seitenhieb nicht verkneifen, ehe er CEO Wido Fath gratulierte.
Dass die Gredinger Firma Trend interior ihre eigene Box für eine Bavaria nutzen musste, war ein Ritterschlag der ersten Güte. Der erstmals vergebene Roland-Berger-Zukunftspreis nämlich ging an das Projekt „takerspace“/Innovationsklassenzimmer Schnaittach“. Das in einem weiteren Blickwinken interessant ist, weil mit Beginn des kommenden Schuljahres ein solches auch in Spalt in Betrieb gehen soll – und somit auf eine weitere Weise Strahlkraft in den Landkreis hat.
Dieses Raumkonzept möchte neue Formen des Lernens und der Zusammenarbeit ermöglichen, vor allem durch ein angenehmes Umfeld, Akustik, Beleuchtung und mehr Flexibilität. Das als solches auch auf großer Bühne im Münchner Künstlerhaus bezeichnete „Leuchtturmprojekt“ ist ein echtes Gemeinschaftsprojekt. Zahlreiche mittelständische Partnerunternehmen setzten die Idee von Schulleiterin Ulrike Hölzel um, die zusammen mit dem Schulamtsdirektor des Landkreises Nürnberger Land, Joachim Schnabel, und Trend interior-Geschäftsführer Dr. Christian Hilz den Preis entgegennahm.
Und zwar aus Händen von Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring, der gleich in die Vollen griff und den Preis als „Oscar des Mittelstands“ bezeichnete. Für den hatte er nur lobende Worte: „Sie sorgen für zwei Drittel der sozialversicherungspflichten Arbeits- und Ausbildungsverträge!“, rollte er einen symbolischen roten Teppich aus und erklärte sich selbst augenzwinkernd zum „Fanclubvorsitzenden des Mittelstands in Bayern“.
An die aus über 200 Bewerbungen von einer Jury ausgewählten Gewinner gerichtet, meinte er: „Sie sind nicht nur ein Zahnrad, Sie sind das Getriebe, echte Heimat- und Fortschrittsmacher!“ Mehring forderte zu einem Wirtschaftswunderspirit 2.0. auf, denn „wir müssen raus aus der Depression und brauchen keine Wut-, sondern Mutbürger“.
Das Projekt „takerspace“ sei ein solcher Mutmacher, lobte er mit Hinweis auf 60 000 Schüler deutschlandweit, die keinen Abschluss schaffen würden. Eine Zahl, die auch Preisstifter Roland Berger umtreibt. Sein nach ihm benannter Zukunftspreis wurde erstmals vergeben. Er soll Menschen, Unternehmen und Initiativen fördern, die einen positiven Beitrag zur Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft fördern.
Dass der renommierte Unternehmensberater und Vordenker die Auszeichnung persönlich übergab, dürfte Christian Hilz und Co. noch stolzer gemacht haben. „Junge Menschen sind unsere einzige Zukunftsressource“, verdeutlichte der 88-Jährige. Dass sei vielen bewusst, aber nur wenige würden handeln. Daher sein Entschluss, über seine Stiftung hinaus (die vor allem benachteiligte und engagierte Kinder fördert) nun auch über den Zusammenschluss „Wir Eigentümerunternehmer“ einen Sonderpreis auszuloben. „Wir haben in unserem Land in Sachen Bildung nämlich alles andere als Chancengleichheit“, meinte Berger.
Armin Kroder, Landrat des Kreises Nürnberger Land, war einer der ersten Gratulanten und sichtlich stolz. „Wir müssen es schaffen, in Schulen ein gutes, ein Wohlfühlumfeld zu schaffen“, betonte er. Weitergedacht vermittle dies das Gefühl, dass „da jemand ist, der sich um mich kümmert“ – und zwar egal, ob Schüler oder Lehrer. Er sei froh und dankbar, dass diese Herausforderungen ganzheitlich erkannt und umgesetzt noch dazu „vor unserer Haustür“.
Das ist auch die von Landrat Ben Schwarz, der zu der Gala verhindert war, sich den Glückwünschen aber allzu gerne anschließt. Die Bedeutung des Mittelstands könne nicht genug geschätzt werden, sagt er. Er staune immer wieder über Unternehmer aus dem Landkreis und wie die es schaffen, Innovationsgeist und soziale Verantwortung zu verbinden. Der Landkreis sei mit seinen vielen familiengeführten Firmen sehr gut aufgestellt. Genauer gesagt: ausgezeichnet aufgestellt.