
Biologisch, vielfältig, kreativ
Ökomodellregion fördert vier landwirtschaftliche Kleinprojekte aus dem Landkreis
Stand: 01.07.2026
Gäbe es einen Preis für den schönsten Landratsamt-Termin des Jahres, dieser in Ruppmannsburg hätte beste Chancen auf einen Treppchen-Platz. Und das nicht nur wegen der idyllischen Umgebung und entspannten Rindern im Rücken. Nein, die Übergabe von vier Förderschildern für Öko-Kleinprojekte erzählten im Kleinen und Großen Erfolgsgeschichten – und erzeugten Aufbruchstimmung.
Denn alle Landwirte – zu mehr als der Hälfte „Wiederholungsstäter“ - rührten die Werbetrommel für die Förderung unter dem Dach der Ökomodellregion. Antragstellung, Bearbeitung und Geldausschüttung würden „unbürokratisch, unaufgeregt und unkompliziert“ vonstattengehen. Genauso klar wurde bei dem ein oder anderen Projekt: „Ohne Förderung würde es dies nicht geben.“
Das traf insbesondere auch auf die „Weide für Ammenkühe, Kälber und Jungvieh“ zu, die Bio-Bauer Thomas Winter vor gut sieben Wochen in Betrieb nehmen konnte. Mit der ammengebundenen Aufzucht schließt der Jung-Landwirt eine Lücke – bayernweit ist ihm nur ein zweiter Betrieb im Allgäu mit vergleichbarem Angebot bekannt. Aktuell ziehen fünf Kühe 13 Kälber groß, die dann nach drei bis vier Monaten an Biomastbetriebe abgegeben werden.
Bereits vor rund 15 Jahren kam Winter das erste Mal mit diesem Modell in Berührung, hat es sogar wissenschaftlich beleuchtet. Sein Fazit: „Das ist unschlagbar.“ Als er vor eineinhalb Jahren den elterlichen Betrieb übernahm, flammte der Wunsch eine eigene Ammenzucht zu etablieren, wieder verstärkt auf. „Nicht zuletzt dank der Ökomodellregion konnten wir diesen Wunsch nun umsetzen.“
Bezuschusst wurden der Weidezaun, ein Trinkfass und eine Futterraufe – ein Volumen von gut 6.600 Euro. Damit ist das Winter’sche Weideprojekt am nördlichen Ende des Thalmässinger Ortsteils zugleich die größte Einzelmaßnahme, die die Ökomodellregion 2026 im Landkreis Roth fördert. Insgesamt fließen fast 14.000 Euro in die insgesamt vier Projekte.
Noch deutlicher zu der Finanzspritze wurde Johannes Enzenhöfer aus Steindl. „Ohne die Förderung hätte ich den Eiswagen nicht angeschafft“, sagte er zu seinem jüngsten Coup. Seit rund zehn Jahren erzeugt „sein“ Hof in Steindl Eis aus Ziegen- und Kuhmilch – sein Vater hatte seinerzeit die Idee. Mittlerweile hat sich das Ziegenmilcheis nicht nur geschmacklich, sondern auch als Alternative für Kuhmilchallergiker herumgesprochen. 2023 hat der von „Naturland“ zertifizierte Betrieb eine Ape angeschafft, mit der das leckere Gefrorene seitdem durch die Region tourt. Der Eiswagen ermöglicht nun auch weitere Strecken.
Einen Kürbisrätselweg samt Infotafeln zum Ackerbau will Martin Schnell in Neppersreuth realisieren. Dem liegen nicht nur Marketing-Überlegungen und eine Attraktivitätssteigerung seines Kürbishofes, sondern auch eigene Erfahrungen zugrunde. „Die Verbraucher sind immer weiter weg und wissen oft nicht, was da angebaut wird.“ Dem möchte er mit entsprechender Information entgegentreten. Auch Schnell outete sich als Wiederholungstäter – dieses Mal fließen knapp 1600 Euro Zuschuss in seinen Betrieb.
Die Alawi GmbH von Ingrid Dullnig möchte das Angebot am Hof in Kammerstein mit Marktgärtnerei, Erntekisten und Eier-Abo um eine Bio-Jungstaudenzucht ergänzen. Für das dafür notwendige Equipment gab es einen Zuschuss von der Ökomodellregion von rund 4.700 Euro, wie deren Vertreter Ulrich Hirschmüller erläuterte. Die Gründerin der „Alternativen Landwirtschaft“ hatte es nicht zum Übergabetermin geschafft, durfte sich aber in Abwesenheit über Lob für ihre fortwährenden innovativen Ideen freuen – die gleichsam schon mehrmals gefördert wurden.
„Schön zu sehen, was da alles entsteht“, kommentierte Stellvertretender Landrat Michael Kreichauf die Bandbreite der Projekte. Gerade auch die macht für ihn den Wert des Gesamtkonzepts aus. Die Plaketten stünden für konkrete Ergebnisse, für Ideenreichtum und den Mut, neue Wege zu gehen. Sie zeigen, „dass unsere Landwirte vielfältig, kreativ und mit viel Herzblut und Leidenschaft bei der Sache sind“. Für ihn „sind die Plaketten Urkunden“.
Die seit 2015 bestehende Verbindung Landkreis Roth und Ökomodellregion (ÖMR), zu der auch die Stadt Nürnberg sowie der Landkreis Nürnberger Land gehören, bezeichnete Michael Kreichauf als Erfolgsgeschichte. Die noch dazu weitergehe, konnte er aus der jüngsten Kreisausschuss-Sitzung berichten. Einstimmig wurde die Fortführung der größten ÖMR in Bayern und der einzigen in Mittelfranken beschlossen. „Weil deren Ziele immer noch aktuell sind“, betonte er: Regionale Wertschätzungsketten sollen gestärkt, die Zahl der Bio-Betriebe erhöht sowie das Interesse der Verbraucher an regionalen Produkten gesteigert werden. Die Öko-Kleinprojekte seien da ein sehr gutes niederschwelliges Instrument.
Wie wichtig die Idee hinter der Ökomodellregion ist, verdeutliche ein Blick in die Statistik. Trotz allen Engagements sei der Landkreis vom bayernweit ausgegebenen Ziel, die ökologische Fläche bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen mit aktuell knapp sieben Prozent weit davon entfernt. Und dies trotz einer Steigerung von 36 auf 70 Biobetriebe und somit um 94 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Der Anteil der Bio-Anbaufläche ging sogar um 124 Prozent nach oben.
„Alles Zeichen, dass sich die Anstrengungen lohnen“, sahen sich Stefan Forster und Anne Landmann im Bemühen „ihres“ Sachgebiets Kreisentwicklung bestärkt. Beide nutzten die Feierstunde, um die Werbetrommel zu rühren. Konkret für die Öko-Kleinprojekte („wir freuen uns und unterstützen jeden Antrag, der reinkommt“) und das Thema an sich. „Regionales Bio ist quasi die Königsklasse beim Einkauf, weil es die Vorteile von zwei Welten miteinander verbindet“, verdeutlicht Anne Landmann mit Hinweis auf den strengen Umwelt- und Lebensmittelschutz der ökologischen Landwirtschaft und die kurzen Wege zwischen Erzeuger und Verbraucher. „Zugleich sind die Produkte absolut hochwertig“, fügt Stefan Forster an.