So farbenfroh ist Demokratie

… und so einmalig das, was in einem Projekt von Regens Wagner Zell und Spectrum-Künstlern entstanden ist – Landrat mit Malschürze mittendrin
Stand: 17.03.2026


Nein, beschönigt wird hier nichts. Im Umgang mit der Farbtube hat Ben Schwarz sicherlich noch „Potenzial“ nach oben. So jedenfalls quittierten die anderen Beteiligten augenzwinkernd und schmunzelnd seinen kreativen Einsatz bei einem Projekt von Regens Wagner Zell und dem Kunstverein Spectrum. Das ist aus einer zufälligen Begegnung entstanden und wird nun bei der konstituierenden Sitzung des neuen Kreistags eine entscheidende Rolle spielen.

Der Grund: Ben Schwarz hatte im Regens-Wagner-Atelier eine spontane Idee. Warum nicht das, was da als farbenfrohes Ergebnis auf Tischen und Staffeleien geschaffen wurde, im Foyer des Landratsamts präsentieren? Schließlich stehen alle großformatigen Bilder unter dem Motto Demokratie. „Passender könnte es nicht sein“, kommentierte Schwarz später seine Eingebung, die bei allen auf Begeisterung und teils sogar auf Applaus traf.

Schon der Entstehungsfunke zu dem Projekt, an dem sechs Regens-Wagner-Bewohner teilnahmen, ist eine erzählenswerte, eigene Geschichte. Wie es der Zufall wollte, saßen Einrichtungsleiterin Heike Klier und der damalige Kunstvereinsvorsitzende Heinz-Peter Lehmann nebeneinander. In dem „Banknachbar-Gespräch“ entstand der Gedanke, „gemeinsam was zu machen“.

Gesagt, getan, gemalt. Einem ersten Kennenlern- und Inputtreffen folgten zwei, bei denen es künstlerisch richtig zur Sache ging. Bereits am zweiten Nachmittag (mit Kreativstart) gab es kein „Fremdeln“ mehr, im Gegenteil, die Wiedersehensfreude war groß. Im Tandem – je ein Spectrum-Künstler (einer ersetzt durch Regens Wagner-Kunsttherapeutin Sandra Köppel) und ein Gehörloser – wurden Themen umgesetzt wie Toleranz, Frieden, Respekt, Freiheit, Gerechtigkeit oder Gleichberechtigung. Michael und Annette brachten dafür eine Justitia auf die Leinwand, währen ein Bild weiter der Wunsch „nach einem Miteinander ohne Blick auf die Rasse auf der ganzen Welt“ dargestellt wurde. Verschiedenheit akzeptieren, steht als Wunsch hinter einem anderen Gemälde.


Neben den sechs Werken, die so entstanden sind, gibt es ein siebtes, im Grunde das Titelthema. „Demokratie bunt leben“ ist es überschrieben. Es ist zugleich das, an dem Ben Schwarz mit besagter Farbtube mitwirken durfte. Der Landrat zeigte sich einmal mehr aufs Neue berührt, mit welcher Leichtigkeit Kunst und Kultur vermeintliche Barrieren überwinden können. „Dabei existieren die ohnehin nur in unseren Köpfen“, meinte er mit einem lächelnden Blick in die Runde.

Sein Einsatz in der Malschürze war damit indes noch nicht beendet. Schwarz durfte sich als Kunsterklärer versuchen. Friedenstauben, Vögel, die aus Käfigen fliehen, Menschen, die sich an den Händen halten… schöne Impulse, ins Gespräch zu kommen (den Gebärdendolmetschern sei Dank) und damit auch auf diese Weise das Miteinander zu unterstreichen.   

Einer, der die Begeisterung teilt, wenngleich er beim Finale nicht dabei sein konnte, war Heinz-Peter Lehmann. Er sah den an jenem Abend geborenen Wunsch des gemeinsamen Gestaltens auf Augenhöhe als bestens umgesetzt an und ist mit Heike Klier einer Meinung: „Das Projekt hat das Selbstwertgefühl der Bewohner gestärkt.“ Sandra Köppel formuliert es anders: „Das hat den Menschen gutgetan.“

Das war den fünf Männern und einer Frau von Regens Wagner in jeder Minute anzumerken. Und auch Spectrum-Vorsitzender und Lehmann-Nachfolger Robert Huter, Angelika Neff-Lehmann, Reinhardt Müller, Klaus Hübner und Annette Hiemer möchten die Stunden mit „ihren“ Co-Künstlern nicht missen. „Diese Freude werde ich nie vergessen“, sagte einer der Profis.

Die fröhliche, entspannte Stimmung und das ungezwungene, schöne Miteinander stellte Jaqueline Moosmann vom Kreisjugendring (KJR) heraus. „Dass dann davon noch eine Botschaft ausgeht, macht die Aktion einmalig. Der KJR hat bei dem Projekt Demokratie leben im Landkreis den Hut auf, er hat auch das Treffen organisiert, bei dem Heike Klier und Heinz-Peter Lehmann zusammenkamen. „So darf das sein“, merkte sie mit stolzem Blick in die Runde an.

Geht es nach ihnen allen, war diese dritte gemeinsame Malstunde nur ein erstes Ende. „Es wäre sehr schön, wenn das weiter gehen könnte.“

Zunächst geht es im Foyer des Kreistagssaals weiter. Die sieben Werke sollen – mitsamt kurzen Erklärungen zu Titel und Künstlerduo – vor der konstituierenden Sitzung des 60-köpfigen Gremiums am 11. Mai gezeigt werden. Die Zeller waren schon ob der Einladung aus dem Häuschen. Geht es nach Heike Klier, dürfen die Acryl auf Leinwand-Kunstwerke dann gerne an anderen Orten gezeigt werden. Sieht ganz nach einem Anfang aus…

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