Spargel in neuer Rolle
„In Reih und Glied“ oder was das Edelgemüse für Brigadegeneral Gero von Fritschen, Leiter der Rother Offizierschule der Bundeswehr und Standortältester, bedeutet
Stand: 05.04.2026
Was für eine spannende Frage! Was haben die Offizierschule der Bundeswehr in Roth (OSLw) mit den Spargelwochen des Landkreises gemeinsam? Und wie spannend wird diese erst, wenn kein Geringerer als Brigadegeneral Gero von Fritschen diese beantwortet – Überraschung(en) inklusive. Aber lesen und genießen Sie selbst…
Sehr geehrter Herr von Fritschen, zunächst herzlichen Dank für die Übernahme der Produktpatenschaft Spargel. Gibt es für diese Wahl einen besonderen Grund? Sie hätten sich ja auch für Fisch oder Wild entscheiden können…
Das ist richtig, zumal ich dankenswerterweise auch frühzeitig gefragt wurde, was mir zusagen würde. Ich sage es mal so: Fisch schwimmt, Wild springt – der Spargel dagegen steht verlässlich in Reih und Glied. Das ist für den Kommandeur der OSLw nicht die schlechteste Voraussetzung.
Was ist das Erste, das Ihnen zu Spargel in den Sinn kommt?
Etwas sehr Feines, das trotzdem überhaupt nicht abgehoben ist und gleichzeitig ein Produkt, welches beweist, dass Regionalität auch ein Ereignis ist. Es muss nicht immer der Blick in die Ferne sein.
Gibt es vielleicht sogar eine Kindheits- oder besondere Erinnerung dazu?
Ich verbinde Spargel mit Vorfreude. Wenn die Spargelzeit beginnt, ist der Winter passé und wir freuen uns auf schönes Wetter nach der dunklen Jahreszeit. Dadurch hat Spargel für mich auch immer etwas Besonderes. Es ist kein Alltagsgemüse, sondern eher ein kulinarischer Lagewechsel.
Anders gefragt: War oder ist Spargel ein Thema?
Für mich ist Essen mehr als Nahrungsaufnahme. Schon die Zubereitung verschafft meiner Frau und mir gemeinsame Zeit und wir genießen durchaus das Kulinarische – da gehört Spargel für uns dazu. In Verbindung mit einem guten Glas Wein, das ist eines kleines Stück Lebensqualität.
Damit gegebenenfalls die Glaubensfrage: Grün oder weiß, oder anders gefragt: Wie essen Sie Ihren Spargel am liebsten?
Am liebsten klassisch: weißer Spargel, Kartoffeln, zerlassene Butter, etwas Schinken – ohne Überfrachtung auf dem Teller. Wir probieren aber auch gerne Gerichte aus anderen Kulturkreisen und - bedingt durch meine lange Einsatzzeit im Nahen Osten - genießen wir durchaus die Levantinische Küche. Da gibt es hervorragende Rezepte für grünen Spargel.
Wir wollen es natürlich genau wissen: Wer kocht denn bei Ihnen zuhause? Sie, Ihre Frau?
Sagen wir es diplomatisch: Zuständigkeiten können wechseln, der Qualitätsanspruch bleibt hoch. Spaß beiseite. Meine Frau und ich genießen es, zusammen zu kochen und da gibt es unterschiedliche Rollenverteilungen – ich darf meist an die Fleisch- und Fischzubereitung heran. Ansonsten eigne ich mich wohl durchaus als Küchenhilfe.
Gibt es ein klassisches „von Fritschen“-Familiengericht und würden Sie uns das (idealerweise mit Rezept) verraten?
Das eine klassische Familiengericht gibt es bei uns weniger — wir lassen uns gerne kulinarisch aus dem Urlaub inspirieren. Aber das ist manchmal wie mit der berühmten Flasche Wein im Kofferraum: Zuhause ist die Erinnerung oft noch ein wenig besser als der erste Schluck. Deshalb setzen wir beim Kochen lieber auf das, was die Jahreszeit gerade hergibt. Saisonale Küche passt einfach am besten zu unserem Alltag — und im Frühjahr führt da am Spargel kaum ein Weg vorbei.
Kulinarik ist ein großes Thema im Landkreis Roth. (Wie) haben Sie das bisher wahrgenommen? Schließlich will der ein oder andere gerne mal raus…
Roth kann beides: herzlich empfangen und sehr ordentlich auftischen. Das beschreibt die Region aus meiner Sicht sehr gut. Die landschaftliche Schönheit und die besondere Atmosphäre spiegeln sich auch in der Qualität der regionalen Küche wider. Gleichzeitig beeindruckt mich die Offenheit, die man hier auch in der Vielfalt der Gastronomie erkennt. Klar ist aber auch: Man steht zu seiner eigenen Küche und zur eigenen kulinarischen Identität. Genau das macht eine Region glaubwürdig und sympathisch.
Gute Überleitung: Was ist Ihr Empfinden. Sind die Neuen angekommen?
Ankommen ist ein Prozess – aber Roth macht es einem leicht. Ich sehe inzwischen abends in der Stadt viele Menschen, bei denen man ziemlich sicher sagen kann: Die kommen aus der Otto-Lilienthal-Kaserne. Das zeigt, dass wir nach und nach wirklich Teil des Ortes werden. Und ich bin mir sicher: Mit wärmeren Temperaturen und längeren Tagen wird das noch sichtbarer. Besonders freut mich auch, dass wir viele Besuchsanfragen bekommen. Darin zeigt sich die Offenheit und Neugier dieser Region – und genau das hilft beim Ankommen ungemein.
Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach „die Halbe“ danach, sprich, das Zusammensetzen nach einem (kritischen) Einsatz?
Die Nachbesprechung gehört zu belastenden Lagen zwingend dazu – so wie vorher die Einweisung oder der Auftrag. Nur so können wir aus Erfahrungen lernen und besser werden. Gerade in Berufen wie bei den Streitkräften oder in den Blaulichtorganisationen hat sie aber noch eine zweite, sehr wichtige Funktion: Sie hilft bei der Reflexion und Verarbeitung. Im Gespräch merkt der Einzelne, dass er mit dem Erlebten und dem eigenen Empfinden nicht allein ist. Das schafft Vertrauen, verbindet und entlastet. Und mir als Vorgesetzten hilft es, frühzeitig zu erkennen, wo möglicherweise weiterer Handlungsbedarf besteht.
Zurück zur Kulinarik? Gibt es da(zu) etwas, das Sie loswerden wollen.
Sehr gerne. Wer regionale Erzeuger stärkt, stärkt auch ein Stück Heimat. Ich bin viel in der Welt herumgekommen und kann deshalb sagen: Der Blick in die Ferne erweitert den Horizont – aber er sollte nicht dazu führen, dass man das Gute vor der eigenen Haustür übersieht. Gerade dort findet man oft Qualität, Charakter und Identität. Regional zu genießen heißt deshalb für mich mit offenen Augen wertzuschätzen, was die eigene Region zu bieten hat.
Was verbinden Sie mit dem Landkreis? Fühlen Sie sich wohl hier und wenn ja, warum…
Ja, ich fühle mich hier sehr wohl, weil man freundlich aufgenommen wird – und weil Substanz wichtiger ist als Fassade. Ich erlebe den Landkreis Roth als leistungsstark, unverstellt und offen im besten Sinne. Gerade in vielen Gesprächen im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit hat sich dieser Eindruck bei mir sehr deutlich eingestellt und verfestigt. Man spricht klar miteinander, geht pragmatisch an Themen heran und begegnet sich mit ehrlichem Interesse. Das macht diese Region sehr sympathisch.
Letzte Frage: In zehn Jahren sehe ich mich/bin ich…in zehn Jahren stehen Kaserne und Offiizerschule da:
In zehn Jahren hoffe ich, persönlich wie institutionell auf eine gute Entwicklung zurückblicken zu können. Die Offizierschule der Luftwaffe soll dann fest in Roth verankert, modern aufgestellt und zugleich ihrer Tradition treu geblieben sein. Und mein Wunsch ist, dass man dann klar sagen kann: Das war eine richtige Entscheidung – für die Region und für die Luftwaffe.
Bitte vervollständigen Sie noch den Satz: Ich bin gerne hier, weil…
Ich bin gerne hier, weil Roth es einem leicht macht, anzukommen: Man wird freundlich aufgenommen, isst sehr gut und merkt schnell, dass die Menschen in ihrer Region fest verwurzelt sind. Vielleicht ist das die fränkische Art zu sagen: Schön, dass Sie da sind – aber jetzt setzen Sie sich erst einmal und probieren den Spargel.
Gut zu wissen: In mindestens elf der 16 Gemeinden des Landkreises wird Spargel angebaut. Das Regionalmanagement hat mehrere Videos zum Thema Direktvermarktung gedreht. Die Gaststätten beziehen ihren Spargel entweder von Spargelbauern aus dem Landkreis oder der angrenzenden Region.
Informationen zu den einzelnen Spezialitätenwochen und den teilnehmenden Gaststätten findet man im öffentlich ausliegenden Faltblatt „Frisch auf den Tisch – Genusswochen im Landkreis Roth 2025“ oder im Internet (Link s.u.).