
Wenn Schule Familie wird
Drei angehende Pflegekräfte der Kreisklinik erzählen aus ihrem Alltag und von den Beweggründen
Stand: 20.01.2026
Wenn Schule Familie wird…
…dann sind wir an der Kreisklinik Roth gelandet.
Gekommen, um zu bleiben. Donald und Leonie machen gar keinen Hehl aus ihren Absichten. Dabei könnten die Geschichten und Hintergründe der Düsseldorferin und des Afrikaners unterschiedlicher kaum sein. Umso mehr ist erzählenswert, was sie an die Krankenpflegeschule der Kreisklinik Roth gebracht hat – und was sie dort erleben.
„Es ist wie eine Familie“, ist das erste, das dem 23-jährigen Donald Assogba Codjo aus Benin einfällt, als Landrat Ben Schwarz, Klinik-Vorständin Nadine Ortner und Günther Wittmann von der Gesundheitsregion plus zu einem Besuch vorbeischauen. Der hat nicht nur das Ziel, mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen, sie möchten von Leiterin Ruth Winkler auch hören, wie es „ihr“ so geht. Schließlich ist die Schule unverschuldet mit in das Diakoneo-Insolvenz-Fahrwasser und die Fragen rund die Zukunft des Schwabacher Krankenhauses geraten.
Bei dem ein oder anderen Interessenten, aber auch Lernenden und Eltern habe das zu Verunsicherung geführt, berichtet Ruth Winkler. Umso dankbarer ist sie, dass sie eine zentrale Botschaft los werden kann: „Alles läuft wie gewohnt weiter und die Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr sind auch vielversprechend.“
Das startet mit einer großen Veränderung: Die Kreisklinik Roth wird die Trägerschaft übernehmen. Wir freuen uns, ab September das junge, engagierte Team zu übernehmen“, betont Nadine Ortner. Für sie ein wichtiger Schritt, um vor allem auch den eigenen Nachwuchs auszubilden. Ein Plan, der seit Jahren aufgeht. „Die meisten bleiben“, bestätigt Ruth Winkler. „Wir sind eine kleine, aber feine Schule.“
Bedeutet: „Uns rutscht keiner durch“, es gibt viele Schnittmengen und Überschneidungspunkte. Zudem können die angehenden Pflegefachkräfte und -fachhelfer sehr individuell betreut und gefördert werden. Das reicht von Lernberatung über Ausbildungscoaching bis zu Sprachkursen. Angebote, die geschätzt werden. „Wie wir auf Prüfungen vorbereitet werden, ist echt klasse“, bestätigt Leonie, die im dritten Lehrjahr ist.
Wie Annika und Donald kann sie sich eine Zukunft an der Kreisklinik gut vorstellen. Zumal das Trio keinen Zweifel hat, beruflich den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. „Menschen helfen zu können, ist toll. Und ihre Dankbarkeit zu spüren“, bringt es Annika auf den Punkt. Auch sie wird in diesem Jahr fertig und fungiert zusammen mit Leonie als Schülersprecherin – ihre Einschätzung(en) haben somit besonders großes Gewicht, schließlich bekommen sie viel mit und sind nah an ihren Kolleginnen und Kollegen dran.
Leonie hat sich nach einem freiwilligen sozialen Jahr für die Ausbildung entschieden; dass sie in Roth gelandet ist, hat mit ihrer Cousine in Schwabach zu tun. An der Kreisklinik schließlich hat es ihr so gut gefallen, dass sie dort auch ihre Ausbildung machen wollte – möglich gemacht hat dies dann nicht zuletzt das angegliederte Wohnheim.
Das ist für Ruth Winkler einer der entscheidenden Trümpfe „ihres“ Hauses, denn „es gibt definitiv zu wenig Wohnraum“. Zumal es „im Heim“ alles andere als anonym zugeht. „Jeder kennt jeden.“ Dann ist da noch der günstige Preis und die „nette Nachbarschaft“, wie es Donald – der in seiner Heimat Germanistik studiert hat – zusammenfasst. Er hat neben dem Familien-Feeling noch etwas ausgemacht, das er gerne teilen möchte. „Hier werden Werte vermittelt. Höflichkeit, Respekt, Würde...“
Leonie bekräftigt das und überträgt es auf die Schule: „Wir können zu unseren Lehrern wirklich mit allen Themen kommen.“ Ein Satz, den Ruth Winkler gerne hört, zumal er voll in das Selbstverständnis passt. „Wir wollen Lebensberater und Zuhörer sein.“ Die Pflegepädagogin betont zudem die gute Verzahnung und Zusammenarbeit zwischen Theorie und Praxis, sprich zwischen Schule und Krankenhaus. „Die geben unseren Schützlingen viel und nehmen sie wirklich mit.“
Auch Donald ist über den Freiwilligendienst in den Beruf „hineingerutscht“, wobei er sich schon lange sicher war, etwas tun zu wollen, „um Menschen zu helfen“. Ruth Winkler spricht von ihm als „tollem Kerl“. Er ist nicht der einzige. Unter den aktuell rund 90 Azubis ist so manche/r, der zu 100 Prozent Rüstzeug, sprich Gespür, Wissensdurst und Können, mitbringt. „Ein Geschenk“, wie sie betont.
„Schnuppern“, in welcher Form auch immer, können Winkler und Günther Wittmann, Geschäftsführer der Gesundheitsregion plus, nur empfehlen. Wittmann berichtet aus der Praxis, dass viele Jugendliche oder Quereinsteiger „Pflege“ oft schon nach kurzer Zeit als „das Ihre“ erkennen würden. Um diese Erfahrung allen interessierten Schülern zugänglich zu machen, wurde die Initiative „Do you care?“ entwickelt, die an den Schulen im Landkreis angeboten wird. In einer Unterrichtsstunde werden verschiedene Bereiche des Pflegeberufs von Auszubildenden vorgestellt, „auf Augenhöhe“, was Wittmann als echten Mehrwert sieht. Und er weiß: „Ein Praktikum gibt oft einen richtigen Motivationskick.“
Wie das Gefühl, gebraucht zu werden und etwas Sinnvolles zu tun. Für Winkler und Wittmann weitere Punkte, die Lanze für „die Pflege“ gerade hier zu brechen – „krisensicher und ganz viele Möglichkeiten bietend“ ist sie überall. „Aber es geht ja auch ums Umfeld“.
Wie sie sich dafür ins Zeug legen, beeindruckt Landrat Ben Schwarz. Neben dem Fachlichen und der Wissensvermittlung hinaus stelle er immer wieder im Positiven fest, mit welcher Ruhe agiert werde. Das übertrage sich auf Patienten und Teams. Speziell an der Schule sei zudem „die Wohlfühlatmosphäre spürbar“, was wieder einmal beweise, dass es auf den Inhalt und nicht die Hülle ankommt, spielt er auf die in die Jahre gekommenen Gebäude an. „Das haben wir auf dem Schirm, wir wissen, dass wir auch diesbezüglich etwas bieten müssen.“
Denn klar ist auch: „Wir brauchen mehr Menschen in Pflegeberufen.“ Leonie, Annika und Donald jedenfalls sind angekommen – um zu bleiben.
Gut zu wissen: Bewerbungen für das Ausbildungsjahr im September werden nach wie vor angenommen, „und es gibt eine Menge Gründe, das in Roth zu tun und sich für einen Pflegeberuf zu entscheiden“, rühren alle Protagonisten die Werbetrommel. Informationen finden sich auf der Homepage des Bildungszentrums (Link s.u.), für Auskünfte steht Schulleiterin Ruth Winkler auch unter der Mailadresse winkler@kreisklinik-roth.de sowie telefonisch unter der Nummer (09171) 802 363 zur Verfügung. Wer sich für eine Unterrichtseinheit „Do you care?“ oder ein Praktikum in der Kreisklinik oder in einer stationären Pflegeeinrichtung interessiert, kann sich per Mail unter bildungsbuero@landratsamt-roth.de melden und wird an die entsprechenden Ansprechpartner vermittelt.
Weiterführende Links (extern)
Gesundheitsregion-Plus Geschäftsstelle
Geschäftsstelle Gesundheitsregion Plus