Aufschwung am Ackerrand

Projekt für mehr Artenvielfalt und das Bewahren seltener Kräuter zieht eine erfolgreiche Zwischenbilanz
Stand: 27.04.2026

Zwei Jahre sind vergangen, seit das Projekt „Vielfalt für Sand- und Kalkscherbenäcker im Landkreis Roth“ in die zweite Runde gegangen ist. Was ist seither passiert? Was gibt es Neues? Zeit, die „Macherinnen“ von der Unteren Naturschutzbehörde und der Bayerischen KulturLandStiftung danach zu fragen.

Die sind vor allem erst einmal sehr zufrieden, lassen Malou Czibeck und Theresa Volz wissen. Alleine im vergangenen Jahr wurden über das Projekt auf knapp 20 Ackerflächen im Landkreis mehr als sechs Hektar extensiv bewirtschaftete Ackerrandstreifen gefördert. Was heißt das? „Der Randstreifen einer Ackerfläche wird so behandelt, dass konkurrenzschwache Ackerwildkräuter davon profitieren“, erklären die Expertinnen. Konkret: Diese brauchen zum Wachsen mehr Licht auf dem Boden. Auf den Ackerrandstreifen wird daher das Getreide in doppeltem Reihenabstand gesät. Weiterhin wird auf Düngung, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und auf mechanische Beikrautbekämpfung (Hacken oder Striegeln) verzichtet.

Jüngste botanische Untersuchungen der extensiv bewirtschafteten Ackerrandstreifen hatten gezeigt, dass die floristische Vielfalt auf den Ackerrandstreifen des Projekts stieg, zudem wurden bayernweit gefährdete Arten festgestellt, wie der der Lämmersalat oder der Feld-Rittersporn. Ein schöner Beweis, dass sich das Engagement lohnt, wie beide finden.

Die Expertinnen erklären, dass zahlreiche Ackerwildkräuter ihren Lebenszyklus innerhalb eines Jahres durchlaufen. Heißt, dass sie im Herbst oder Frühling zusammen mit dem Getreide keimen und ihre Samen optimalerweise vor der Ernte entwickelt haben. Einige dieser Samen landen dann im Boden. Über viele Jahre wird somit im Boden eine Samenbank, also ein Vorrat, aufgebaut.

Bei geeigneten Bedingungen können die Ackerwildkräuter dann wieder keimen und sich vermehren. Daher kommen bereits bei einer Umstellung der Bewirtschaftung oft verschiedene Pflanzen zum Vorschein. Auf Flächen, auf denen die Kräuter nicht von alleine wieder auftreten, können besondere Arten durch die Aussaat von gebietsheimischem Saatgut wieder „zurückgebracht“ werden. Im Landkreis wird das derzeit auf drei Flächen probiert, auf denen unter anderem das Mäuseschwänzchen, Lämmersalat, Bauernsenf, Feld-Rittersporn und Saat-Mohn ausgebracht wurden. Inwiefern sie sich etablieren können, wird sich im weiteren Projektverlauf zeigen.

Auch in diesem Jahr werden wieder extensiv bewirtschaftete Ackerrandstreifen einiger Ackerflächen gefördert. An den Flächen stehen Schilder, die darauf aufmerksam machen – leicht bei der nächsten Fahrradtour oder Spaziergang zu entdecken. Gerade auf den sandigen Ackerflächen kann im Frühling schon ein buntblühender Blütenteppich den Boden bedecken. „Genaues Hinschauen lohnt sich in der Natur immer, und nun an ein paar Stellen mehr“, freuen sich Malou Czibeck und Theresa Volz. „Vielleicht entdecken Sie ja eines bei Ihrer nächsten Fahrradtour oder Ihrem nächsten Spaziergang im Landkreis?“, möchten die Initiatorinnen für einen Blick „rechts und links“ animieren. „Wenn es eine Möglichkeit gibt für den Erhalt oder Rückkehr dieser Arten sollten wir sie ergreifen“, untermauert der Rother Landrat Ben Schwarz seine Unterstützung für das Projekt.

Frau Volz

Anschrift

Weinbergweg 1
91154 Roth