
Klinik trifft auf Kulinarik
Küchenmeister Christoph Nutz verrät, was an Ostern in Roth auf die Teller kommt – und, warum er ein Fan von regionalen Produkten ist
Stand: 22.03.2026
Wie? Die Suche nach einem Paten für ein original regionales Produkt soll ausgerechnet in einer Großküche enden? Tut sie, wenn diese Küche die der Kreisklinik ist und ein gewisser Christoph Nutz das Sagen hat. Na dann wollen wir doch mal hören, was dem Koch zum Thema Lamm einfällt.
„Keule, Speckbohnen, Herzoginkartoffeln“, muss der 43-Jährige nicht lange überlegen. Genau so bekommen das Festtagsgericht folglich auch die Patienten serviert. Dass die Zutaten dafür, wie für die aller anderer Speisen, so weit möglich aus der Region stammen, ist für Koch und Klinik „gesetzt“. Weil so heimische Erzeuger gestärkt, lange Transportwege vermieden werden „und vor allem die Qualität stimmt“, erklärt der Küchenmeister mit Zusatzqualifikation Diätkoch.
Milch, Eier, Äpfel, Wurstwaren – Nutz weiß gar nicht, wo er zum Stichwort Regionalität anfangen und aufhören soll. Seit Juli 2025 ist er Küchenchef und „jeden Tag zufrieden damit“. Gerade diese „Einkaufsfreiheit“ ist mit ein Grund, warum er nicht bereut hat, seinerzeit seinen Hut in den Ring zu werfen.
Was nicht bedeutet, dass er nicht auf die Kosten schauen muss. „Aber weniger ist manchmal mehr.“ Übersetzt: Es muss nicht jeden Tag Fleisch geben. „Lieber halten wir die Qualität des Angebotenen dafür sehr hoch.“ Vernünftiges Essen statt Billigware bedeute nicht zuletzt ein gesünderes Leben. Mit Herkunft in anderem Sinn hat etwas anderes zu tun, das der Küchenchef und seine 27 Mitarbeiter bewusst pflegen. Mit Fisch am Freitag, Braten an Sonn- und Feiertagen oder auch einer Mehlspeise „von Oma“ finden sich Traditionen auf der Speisekarte wieder.
Die wiederholt sich nach sieben Wochen, um den Aufwand einigermaßen in Grenzen zu halten. Neue Gerichte stellen das Team in Anbetracht der zwischen 420 und 500 Essen, die täglich das Haus verlassen, vor Herausforderungen. Diese große Zahl, weil auch Schülerwohnheim, das Rother Gymnasium, die Alpha Reha und die Tagesklinik beliefert werden. Und alle sieben Wochen wegen der Langzeit(Reha)Patienten. Auch sie sollen in den Genuss von möglichst viel Abwechslung kommen.
Änderungen werden daher moderat umgesetzt. Zumal auf Nutz und Co. nicht selten zusätzlich Spezialaufträge warten. „Erste-Klasse-Patienten“ etwa können aus einer erweiterten Karte wählen und dann ist da noch die Palliativstation. Bestellungen von dort sind mehr als das. Wünsche von Menschen zu erfüllen, die schwerstkrank noch einmal ihr Lieblingsgericht schmecken wollen, sind „eine Herzensangelegenheit“. Und für Christoph Nutz auch etwas, das die Arbeit in der Kreisklinik zusätzlich etwas Besonderem macht.
Er ist dankbar über die Freiheit, mit der sein Bereich ausgestattet ist, und versucht diese mit hervorragenden Ergebnissen zurückzugeben. Was offenbar gelingt. „Die Resonanz ist gut“, gibt sich der 43-Jährige bescheiden. Und wer freut sich nicht, wenn ein Patient bei der Entlassung einen Kommentar mit dem Tenor „das Essen war super“ hinterlässt? „Das ist eine Bestätigung für das ganze Team“, gibt Christoph Nutz positive Bewertungen gerne weiter.
Von nichts kommt bekanntlich nichts. Neben dem Einkauf hochwertiger Produkte kann der Küchenmeister aus Überzeugung sagen: „Von der Soße bis zur Brühe machen wir hier alles selber.“ Nutz hat in den damaligen Ratsstuben von Schloss Ratibor gelernt und dann lange im Landhotel Böhm gearbeitet. Zuletzt war er in einer Berufsküche, ist mit Mengen also vertraut. Seinen Stil beschreibt er als gut bürgerlich, ohne Shishi auf dem Teller, seinen Anspruch als „gut bürgerlich gut“.
Folglich überrascht es wenig, dass Schnitzel und Schweinebraten als „Spezialitäten des Hauses“ gelten.
Verantwortlich ist die Kreisklinikküche neben der Außerhausverpflegung und den Stationen auch für den hauseigenen Speisesaal und somit die Mitarbeiter und die Caféteria. Damit der Herausforderungen nicht genug: Allergene sind das größere Thema als „vegetarisch oder vegan“, berichtet Christoph Nutz.
Zurück zum Lamm. Zwischen 180 und 200 Portionen, je nach Belegung, werden an Ostern da wohl auf dem Bestellzettel stehen, schätzt der Küchenchef. Warum Lamm, warum Keule? Zum einen der Tradition wegen, zum anderen, weil Lammfleisch „top“ ist. Fettarm, kräftig im Geschmack, dazu reich an hochwertigem Eiweiß und Vitaminen.
Einen „Werbeblock“ wie diesen hört Michael Buchholz von der Kreisentwicklung natürlich gerne. Er fügt – bezogen auf das Stichwort regional – noch die Bedeutung für die Landschaftspflege an. Buchholz organisiert die vier Spezialitätenwochen (neben Lamm Spargel, Fisch und Wild) des Jahres und ist froh um Mitstreiter wie Christoph Nutz.
Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, sich deswegen aber nicht unbedingt ins Krankenhaus legen möchte, empfiehlt, die Lammwochen zu nutzen, die am 28. März beginnen und bis 12. April das erste original regionale Spitzenprodukt in den Mittelpunkt rücken. Neben Gaststätten nehmen Direktvermarkter teil. „Kulinarische Erlebnisse mit gutem Gefühl“, lädt Michael Buchholz.